Author: Harald Faber
Date: 00:13:31 12/05/01
Nach einigen Problemen des Fritz-Autoplayers und daraus resultierenden Verzögerungen ging endlich das Match Fritz 7a - ChessTiger 14 zu Ende Die erste Partie gewann Tiger, indem er Fritz langsam aber sicher positionell überspielte. Wer erwartet, dass Weiß in dieser Stellung noch gewinnt: 5rk1/p3r2p/8/2R2n2/3p2p1/3Nn1P1/PP2B2P/2R4K w - - 0 38 (1-0/80) Die zweite Runde ging erneut an Tiger, der nach einer sehr scharfen Eröffnung mit 4 Bauern gegen einen Läufer bei vorhandenen Schwerfiguren erfolgreich kämpfte. Als der Vorteil auf 2 Bauern schrumpfte, waren diese jedoch schon so weit vorgerückt, dass Fritz' Bewertung mit +1.6 für sich doch etwas fehl am Platze war. Allerdings war die Suchtiefe wohl nicht mehr groß genug, um eine halbwegs akkurate Bewertung anzuzeigen: 8/3kr1Q1/8/8/1q3p2/4p3/p2pB1PP/5RK1 w - - 0 81 81.Df6 +1.50? (0-1/105) In der dritten Partie konnte sich Fritz dann mit Turm plus 2 Bauern gegen Springer plus Läufer ganz gut befreien, doch zum Sieg reichte es nicht. So stand es nach der Eröffnung: 5rk1/p2p3p/2p3p1/3prp2/8/1PN2BP1/P4P1P/3R1K2 b - - 0 20 (0.5/103) Nach der Eröffnung in der vierten Partie dachte ich zunächst, ich sehe nicht recht: rq2k2r/1p2n1pp/pn3p2/1N2N3/8/1PP5/4QPPP/R4RK1 w kq - 0 18 Hier dachte ich zunächst, dass die schwarze Stellung kaum überleben kann. König noch in der Mitte, c4-g8 geöffnet. Doch es sind beide Springer angegriffen, und es kommt zu einem recht forcierten Generalabtausch, der zu einem reinen Schwerfigurenendspiel führt. Interessant wäre vermutlich die Abweichung 18.Sg4!? an Stelle der Partiefortsetzung 18.Sc4, z.B.: 18...axb5 19.Dxb5+ Sd7 20.Tfd1 Sc6 21.De2+ Sce5 22.Sxe5 Sxe5 23.Txa8 Dxa8 24.f4, ein großer Unterschied ist jedoch noch nicht zu erkennen. In der Partie entstand q4r1k/1p4pp/5p2/8/2Q5/2P5/5PPP/4R1K1 b - - 0 24 Schwarz steht sehr passiv, aber in einem reinen Damenendspiel sollte der normale Ausgang der Partie remis sein. Es kommt tatsächlich zum Damenendspiel, in dem sich Tiger eine der seltenen Endspielniederlagen einfängt. In der fünften Parie ließ sich Tiger sein Bauerngerippe entwerten, wovon er sich die ganze Partie über nicht mehr erholen konnte. Fritz nutzte die Angriffspunkte hervorragend aus. r1b1k2r/1pqn1ppp/p2p4/4p3/N2bP3/3Q2P1/PPP2PBP/R1B2RK1 w kq - 0 14 14.Sc3 Lxc3 15.Dxc3?! Dxc3 16.bxc3 Sb6! (0-1/68) Damit herrschte nach 5 Partien wieder Gleichstand. Mit zwei Türmen gegen die Dame kämpfte ChessTiger gegen die drohende Niederlage in der sechsten Partie. r1r3k1/2q2ppp/p7/1p1Qp3/1b2P3/5N1P/PP3PP1/2R2RK1 b - - 0 24 24...Dxc1 25.Txc1 Txc1+ 26.Kh2 Tf8 Nun kommt es zu einem Kuriosum: Fritz speichert die Partie nach 133 Zügen als für sich gewonnen ab, er zeigte aber seit 15 Zügen eine 0.00-Bewertung an. Die Schlussstellung: 8/8/7b/3K4/7k/6rp/5Q2/8 w - - 0 134 Hie werde ich wohl noch einmal prüfen müssen, ob Tiger die Zeit überschritten hatte, aufgab oder Fritz einfach die Partie mit einem falschen Ergebnis versehen hatte. Im Gegensatz dazu war der Ausgang der siebten Partie ziemlich klar. Nach einigen Abtausch-Orgien ergab sich ein Leichtfigurenendspiel, in dem Tiger die Stärke des Läuferpaares gegen das Springerpaar demonstrierte. 8/3n1kp1/1p2p2p/3n4/p2B4/P4P2/1PB3PP/6K1 b - - 0 29 (1-0/54) Einen Lerneffekt der merkwürdigen Art zeigte Fritz in der achten Partie. Beide wiederholten die Eröffnung der sechsten Partie. Da Fritz sie ja als für sich gewonnen gespeichert hatte, sollte er diese Partie möglichst zu wiederholen versuchen und Tiger eine Verbesserung präsentieren. Doch es war Fritz, der zuerst abwich. Das verstehe, wer will. Auf jeden Fall gab es in dieser unspektakulären Partie ein "reguläres" Remis. Ein regelrechtes Desaster für Fritz gab es in der neunten Partie. Königsindisch sollte zumindest für Computerpartien mit Schwarz abgeschaltet werden. r2qnbk1/Np4r1/3p2n1/3Pp1pp/P3Pp2/5P1b/1PQBBNP1/2R2RK1 w - - 0 22 Hier musste Tiger zu rechnen anfangen. 8/8/2Rp1n1k/2bPp3/4PpB1/5P2/6PK/8 w - - 0 41 Soeben zog Schwarz 40...Lb6-c5, aber der Tiger macht kurzen Prozess: 41.Txc5! dxc5 42.d6 c4 43.d7 Sxd7 44.Lxd7 c3 45.La4 1-0 Mit 5.0-4.0 bzw. 5.5-3.5 führte Tiger vor der letzten Runde, doch Tiger konnte in der dynamischen Stellung das Gleichgewicht halten. Das zeitweilige +1.50, was Fritz für sich anzeigte, war wohl eher Wunschdenken. Der temporäre Mehrbauer verabschiedete sich ebenso wie die Hoffnung auf einen Sieg. Denn Turmendspiele sind nun mal remis. ;-) 8/1p6/1Bkb2p1/P6p/5P1P/2KR2P1/r7/8 b - - 0 59 59...Lc5 60.Kb3 Ta3+ 61.Kc2 Ta2+ 62.Kc1 Lxb6 63.axb6 Ta6 (0.5/78) In einer "Bonuspartie" konnte Tiger zwar einen Bauern, nicht aber die Partie gewinnen. Mit Turm plus Läufer plus Bauer ist es schwer gegen Turm plus Läufer, wenn sonst nichts mehr auf dem Brett ist. Auch wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass die sechste Partie remis war (wovon ich ausgehe), so zeigte sich dennoch ein ausgeglichenes Match. Am meisten beeindruckt haben mich die Partien aus Runde 2, in der Tiger sukzessive die Bauern vorschob, und die Partie Nr. 4, in der Fritz das Damenendspiel ausgerechnet gegen den Endspiel"fuchs" Tiger "irgendwie" gewinnen konnte. Momentan läuft das 10-Partien-Match gegen GambitTiger 2 und abschliessend werden noch 10 Partien gegen GambitTiger 2 aggressiv folgen, womit mein Fritz7(a)-Test enden wird. Partien, Zwischenstände usw. wie immer unter www.harald-faber.de Übrigens gibt es dort inzwischen eine Zusammenfassung des Shredder 5.32 Tests.
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Last modified: Thu, 15 Apr 21 08:11:13 -0700
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