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Subject: New: Computerchess Forum Journal

Author: Eduard Nemeth

Date: 04:01:55 04/08/03


Computerchess Forum-Journal  (NEW)

English:

Computerchess forum journal I writes a computer chess forum journal into German.
 Every 6 weeks appear and in the well-known forums (where no Gegenerlaubnis is
present) as Posting are published.  In addition it gives on my homepage a
Download as ZIP in the TXT format, here:

http://www.beepworld.de/members37/computerschach/computerchess.htm

the agreement of the author is a condition for a publication of the article
writer, and/or poster.  I therefore someone will inquire again and again (also
here) by email whether I the Posting publish may.  The source, thus the original
address we in each article are located.  Naturally it will give also article in
English or French also and against.  The first expenditure TXT format looks in
such a way, I wishes much fun during the reading:

German:

Ich schreibe ein Computerschach Forum Journal in deutsch.  Es erscheint alle 6
Wochen und wird in den bekannten Foren (wo keine Gegenerlaubnis vorliegt) als
Posting veröffentlicht.

Dazu gibt es auf meiner Homepage einen Download als ZIP im TXT-Format, hier:

http://www.beepworld.de/members37/computerschach/computerchess.htm

Das Einverständnis des Autors ist Voraussetzung für eine Publikation des
Artikelschreibers, bzw. Posters.

Ich werde daher immer wieder jemanden anfragen (auch hier)  per eMail ob ich das
Posting veröffentlichen darf. Die Quelle , also die Original-Adresse wir in
jedem Artikel stehen.

Natürlich wird es auch Artikel in englisch oder französisch auch hin und wider
geben.

Die erste Ausgabe TXT Format sieht so aus, ich wünsche viel Spass beim Lesen:



                               Computerschach Foren - Journal

                                           01/03


In dieser Ausgabe:

1. Eduard Nemeth:               Vorwort
2. Eduard Nemeth:               Neuigkeiten
3. Eduard Nemeth/Lars Bremer:   Aspekte zu Man vs. Machine (Dj vs. GK)
4. Kurt Utzinger:               Rebel 12 Beta 1 Test ( Rebel vs. Shredder 7.004)
5. Peter Ackermann:             Interesting ending and the evaluation by engines
6. Christian Bartsch:           Die erweiterte Tartakower -Variante der
Französischen Verteidigung


1. EDUARD NEMETH:  Vorwort

Dies ist eine erste quasi Demo-Version eines Computerschach Foren-Journals
(CSF-Journal) das ich (wir?) gerne alle 6 Wochen im Internet "frei" zum Lesen
anbieten möchte. Die ersten 4 Themen sind erste  Beispiele, um zu
veranschaulichen um was es mir/uns geht. Ich habe dieses Schach-Material aus der
Szene der Computerschach-Foren zusammengestellt, und möchte es so weiter gerne
mit anderen Mitarbeitern alle 6 Wochen so veröffentlichen. Natürlich sind sie
auch hochinteressant und lesenswert.  Die Veröffentlichung geschieht im
TXT-Format (als Download-ZIP) oder als HTML-Post in gewünschten
Computerschach-Foren.

Nach dem Vorwort werden aktuelle Neuigkeiten  vorgestellt, wie z.B. neue
Programme etc.. danach kommen die Themen. Die Themen sollen vielfältig sein, und
möglichst von vielen Autoren verfasst. Die Genehmigung der Autoren ist
Voraussetzung für eine Veröffentlichung! Wenn ich interessante Themen finde (in
6 Wochen passiert in den Computerschach-Foren viel) werde ich den Autor um die
Freigabe zur Veröffentlichung bitten, sofern sie mir noch nicht vorliegt. Ich
bedanke mich für alle Freigaben daher im Voraus.

Weshalb nun diese erste CS-Journal quasi DEMO Ausgabe so schnell?

Nun:

Es soll ja eine Zusammenstellung von Postings werden, nicht mehr und nicht
weniger - möglichst interessante und vielseitige Themen. Ich dachte so ca. 12-15
Themen pro Ausgabe nach dieser ersten Demonstration.

Für mich ist es wichtig, nun ein erstes Journal bald zu bringen, damit man sehen
kann:

a) wie das plastisch aussieht  - um andere evtl. zu inspirieren mitzuarbeiten,
ich hoffe es?
b) damit ich selbst weiss,  wieviel Arbeit dahinter steckt.

Daher finde ich diese erste eine  Ausgabe nun ganz gut so. Es ist sozusagen noch
ein neugeborenes Baby und muss wachsen. Doch bevor es wachsen kann muss es erst
geboren werden. Daher ist diese Ausgabe nun erschienen.

Den Inhalt der nun folgt, habe ich zunächst an die Autoren gesandt, mit der
Bitte es veröffentlichen zu dürfen, sofern die Freigabe nicht schon vorher
vorlag. Ich denke dass das TXT-Format (Download-Version) leicht zu lesen ist, da
man den FEN-String  ja jederzeit als Diagramm darstellen kann. Kommen wir nun
zum Inhalt.



2. NEUIGKEITEN:

Dies ist quasi eine Demoversion des Magazins. Daher möchte ich noch keine
Neuigkeiten vorstellen, die kommen in der nächsten Ausgabe. Anmerken möchte ich
dennoch dass es das Programm Chess Tiger 15 nun auch als native Engine mit GUI
auch unter dem ChessBase GUI gibt, allerdings offenbar derzeit nur in der
Schweiz. Der Zugang zum ChessBase Server ist ebenfalls implementiert, gilt
jedoch nur für ein Jahr.




3. EDUARD NEMTH / LARS BREMER:    Aspekte zu Man vs. Machine (Dj vs. GK):

Eduard Nemeth:

Die erste offizielle "Mensch gegen Maschine" Weltmeisterschaft in New York 2003!

Das Duell zwischen Deep Junior und Garry Kasparov vom 26.01.2003 bis 07.02.2003,
wurde unter der Schirmherrschaft des Weltschachverbandes FIDE als The FIDE Man
vs Machine World Chess Championship in New York Athletic Club (NYAC) - 180
Central Park South - New York, NY 10019 ausgetragen! Es wird nicht das letzte
Match um diesen Titel gewesen sein, geplant sind weitere Matches um die Krone
des Weltmeisters in dieser Disziplin. Der Leser verwechsle daher bitte nicht das
Match zwischen Vladimir Kramnik und Deep Fritz (ChessBits 20) mit diesem hier.
Die FIDE und die ICGA, International Computer Games Association die nun jährlich
die Computerschach Weltmeisterschaft ausrichtet, haben sich zusammengeschlossen
und küren nun gemeinsam einen "Man vs. Machine" Weltmeister!

Wann und wo die nächste solche WM stattfinden wird, steht noch nicht fest. Deep
Junior jedenfalls ist mindestens bis November 2003 amtierender
Computerschach-Weltmeister, dann findet die nächste Computerschach-WM in Graz
statt. Eine andere Frage ist natürlich, weshalb nicht der offizielle FIDE-WM
Ruslan Ponomariov statt Garry Kasparov gegen die Maschine angetreten ist, denn
Kasparov ist ja nicht mehr Weltmeister? Nun, die FIDE entschied aus zwei Gründen
Kasparov als Gegner aufzubieten:

Kasparov ist seit 18 Jahren die Nr. 1 der Schach Weltrangliste!

Das Duell gegen Deep Junior sollte zugleich ein RE-Match "Man vs. Machine" sein
das Kasparov bekanntlich 1997 gegen Deep Blue verlor, danach kam es jedoch zu
keiner Revanche mehr die Kasparov gefordert hatte.

Eine weitere Frage ist ob Deep Junior als RE-Match-Gegner stark genug war, um
als Gegner statt dem Großrechner Deep Blue antreten zu dürfen. Nun, IBM hat
seinen damaligen Großrechner inzwischen verschrottet, zudem gibt es nur sehr
wenige Partien von Deep Blue zu sehen. Ich persönlich denke dass man einen
Rechner der den Weltmeister schlägt, danach aber zu keinen weiteren
Schachpartien (egal gegen wen) antritt, getrost vergessen kann. Deep Junior
hingegen ist in der Computerschachszene sehr bekannt und gewann die letzten 2
Computerschach Weltmeisterschaften! Deep Junior ist daher ein würdiger und zudem
rechtmäßiger Herausforderer. Die Maschine spielte auf einer 8x1,6 GHz
Prozessor-Maschine. Die Prozessoren waren parallel geschaltet und erlaubten es
dem Programm Deep Junior (eine Weiterentwicklung von Deep Junior 7) etwa 5 Mio.
Stellungen pro Sekunde zu berechnen. Da das Match auf der klassischen Stufe 2h
für 40 Züge (plus 1h für 20 weitere Züge und 30 Min. für den Rest) ausgespielt
wurde, war diese sehr schnelle Maschine schwer auszurechnen. Zum Vergleich:
Kramnik spielte in Bahrain nur gegen eine 8x900 MHz schnelle Maschine.

FIDE Präsident Iljumischinov selbst eröffnete das Duell auf 6 Partien
symbolisch, so wie es bei solchen Ereignissen Mode ist, mit dem ersten Zug
Kasparov´s und schob den weißen Bauer von d2 nach d4! Das lange erwartete Match
das mehrmals verschoben wurde, war endlich gestartet. Voller Spannung saß ich
vor meinem PC und starrte auf das 2D Brett der Liveübertragung der ICGA. Unter
dem Brett gab es ein Fenster wo man Kommentare von Großmeistern sowie von MIG
(Michael Greengard), einem in der Schachszene bekannten Journalisten und Spieler
mit Elo 2300, sehen konnte. Das erste Foto zeigte einen lächelnden Garry
Kasparov der eine schwarze 3D-Brille trug. Das sah witzig aus, hatte aber seine
Gründe: X3D Technologies Corporation ist nämlich eine Firma die als Hauptsponsor
des Duells fungierte. Es ging nämlich auch um eine Menge Geld, genauer um 1 Mio.
US Dollar. Kasparov bekam für das Match garantierte $500.000 und der Rest wurde
so aufgeteilt: Der Verlierer bekommt $200.000, bei Unentschieden gibt es je
$250.000 und der Sieger erhält $300.000! Kasparov waren im schlimmsten Fall also
$700.000 garantiert.

Die erste Partie endete mit einem Paukenschlag:
Noch nie wurde ein Schachprogramm auf so schneller Hardware so schnell
ausgespielt.

Kasparov - Deep Junior [D45]
Man vs. Machine New York (1), 26.01.2003
[Eduard Nemeth]
1.d4 Diesen Zug führte FIDE Präsident Iljumschinov aus, Kasparov lächelte in die
Kamera. 1...d5 Dj läuft auf 8x1,6 GHz Intel Prozessoren. 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3
e6 5.Sf3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.g4 dxc4 8.Lxc4 b6 9.e4 Hier begann Deep Junior zum
ersten Mal an zu rechnen. Nach etwa 20 Min. folgte die erwartete Antwort. Das
Dj-Team hat die Zeit vermutlich so aufgeteilt dass die Maschine anfangs sehr
langsam zieht, anders ist die Rechenzeit von 20 Min. nicht zu erklären.
Möglicherweise ging man im Lager von Deep Junior davon aus, dass Kasparov das
Buch bald verlassen würde. Wenn das nämlich passiert dass die Maschine schnell
aus der Eröffnung geworfen wird, so hat sie es schwer den richtigen Plan zu
finden. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. 9...e5 10.g5 Vermutlich von Kasparov
vorbereitet. Der Springer soll abseits werdrängt werden. 10...Sh5 11.Le3 0-0
12.0-0-0 Dc7 13.d5 Sehr klug gespielt von Kasparov. Computer mögen keine
blockierten Stellungen, und so war der folgende Zug von Dj in höherem Sinn schon
der Verlust! 13...b5 14.dxc6 bxc4 15.Sb5! Dxc6 16.Sxd6 Lb7 [16...La6 17.Sf5 Tfe8
18.Td6 Db7± Es gab aber auch andere gute Fortsetzungen laut Kasparov.] 17.Dc3
Tae8?!


Deep Junior zieht nun Tae8?


r4rk1/pb1n1ppp/2qN4/4p1Pn/2p1P3/2Q1BN2/PP3P1P/2KR3R b - - 0 1

Ich konnte es kaum glauben, als ich das sah. Besser war es den Bauer auf e5
aufzugeben und mit Tb8 einen Gegenangriff zu starten.

Kasparov selbst fand diesen Zug als natürlich für eine Maschine. Ich bin da ganz
anderer Meinung. Grund: kein anderes Schachprogramm, nicht einmal der Vorgänger
Deep Junior 7, spielt diesen Zug. Nun bekommt Kasparov die Qualität, aber weit
entscheidender ist dass die Maschine absolut kein Gegenspiel mehr hat. 18.Sxe8
Txe8 19.The1 Db5 20.Sd2 Tc8 21.Kb1 Sf8 22.Ka1 Sg6 23.Tc1 La6 24.b3 cxb3 Nun
werden weitere Schwerfiguren getauscht, wonach die Maschine keine Chance mehr
hat. [24...Shf4 25.Sxc4 Se6 das wäre gegen Menschen besser.] 25.Dxb3 Ta8 26.Dxb5
Lxb5 27.Tc7 Das Dj Team wollte sich den Rest nicht mehr zeigen lassen, zumal Dj
nur noch 5 Min. für 13 Züge hatte. Noch nie wurde ein Schachprogramm auf so
schneller Hardware so schnell ausgespielt worden. Später verriet Kasparov dass
er sich auf dieses Abspiel vorbereitet hatte. Er hat im Buch von Deep Junior
eine Lücke gefunden. 1-0

Partie 2: Trotz seiner vielen Prozessoren begeht Deep Junior einen taktischen
Fehler!
Kasparov verpasst den zweiten Sieg in Folge.

Deep Junior - Kasparov [B42]
Man vs. Machine New York (2), 28.01.2003
[Eduard Nemeth]
1.e4 Deep Junior eröffnet mit dem aggressivsten Zug den man mit weiss spielen
kann. 1...c5 2.d4 cxd4 3.Sf3 e6 4.Sxd4 Sizilianisch (Paulsen-Variante). Die
aggressivste Eroeffnung die schwarz gegen 1.e4 wählen kann! 4...a6 Schwarz plant
hier in der Regel Dc7 und verhindert so den Bauernvorstoss e4-e5. 5.Ld3 Lc5
6.Sb3 La7 7.c4 Sc6 8.Sc3 d6 9.0-0 Hier begann Deep Junior zu rechnen an und zog
nach etwa 6 Min. Ich fand hier etwa zwei dutzend Partien, wobei die Bilanz
ausgeglichen ist. Die letzten Partien gewann zwar weiss, die Elo der Spieler war
aber nicht sonderlich hoch im Vergleich zu Kasparov. 9...Sge7 10.Te1 0-0 11.Le3
e5 12.Sd5N Folgt man der untenstehenden Partie so verlor schwarz nicht wegen
seiner nächsten Zuege! [12.Lxa7 Txa7 13.Dd2 Le6 14.Lf1 b6 15.Ted1 Td7 16.Tac1 f5
17.f3 f4 18.Sd5 g5 19.Df2 Sc8 20.c5 bxc5 21.Lxa6 Lxd5 22.exd5 S6e7 23.Ld3 Ta7
24.Dc2 Kg7 25.Lxh7 c4 26.Sd2 Sb6 27.Le4 Txa2 28.Kh1 Db8 29.h3 Tc8 30.Db1 Ta5
31.Lf5 Tf8 32.Le6 Sbxd5 33.Se4 Tb5 34.Sxg5 Th8 35.Lxd5 Sxd5 36.Df5 Sf6 37.Txc4
Txb2 38.Se6+ 1-0 Kogan,A-Bezold,M/Wuerzburg op 1996 (38)] 12...a5 Kasparov
provoziert damit den Läufertausch auf a7. Zeitverbrauch: Kasparov 31 Min., Deep
Junior 23 Min. 13.Tc1 Dieser Zug kam für Kasparov sicher überraschend. Ich habe
damit auch nicht gerechnet denn Fritz tendierte zwischen Dh5 und Lxa7. Nun
überlegte Kasparov hier 15 Min. an seinem nächsten Zug. 13...a4 14.Lxa7 Txa7 Die
einzige Schwäche die schwarz hat, ist der rückständige Bauer auf d6. 15.Sd2 Sd4
Kasparov will den Springer nach e6 überführen um f2-f4 zu verhindern. Amir Ban
der Programmierer von Deep Junior meinte hinterher, dass dieses Manöver Dj aus
dem Konzept brachte. 16.Dh5 Typisch Junior. Er spielt immer sehr aggressiv.
16...Se6 17.Tc3! Ein für Schachprogramme ungewöhnlich guter strategischer Zug!
17...Sc5 18.Lc2 Junior spielt nun sehr gut. 18...Sxd5 19.exd5?! g6 20.Dh6 f5!
Nun kommt Schwarz zu einem guten Gegenspiel. 21.Ta3?! Df6!? Solche Züge sehen
nur sehr starke Spieler! 22.b4?


2b2rk1/rp5p/3p1qpQ/2nPpp2/pPP5/R7/P1BN1PPP/4R1K1 b - b3 0 1


Trotz seiner 8 Prozessoren spielt Deep Junior hier falsch b4?


Sf3 hätte die Stellung im Gleichgewicht gehalten. 22...axb3 23.Txa7?! bxc2
schwarz hat nun Kompensation aufgrund seiner Zentrumsbauern. Waren davor die
schwarzen Steine unbeweglich, so sind die weissen nun zerstreut, Der Turm auf a7
die Dame auf h6, witzig so sah es auch Amir Ban! 24.Tc1 e4 25.Txc2 Da1+?! Dieser
Zug verschenkt den Gewinn. Kasparov sagte nach der Partie dass er ein
Schachgebot von Dj übersehen habe. [25...f4! Mit diesem Zug hätte schwarz laut
Kasparov gewonnen.] 26.Sf1 f4 27.Ta8 e3 28.fxe3 fxe3 29.Dxf8+ Kxf8 30.Txc8+ Kf7
Weiss bekommt nun ein Dauerschach, und für schwarz wäre es zu riskant, gegen
eine Maschine weiter auf Sieg zu spielen. 1/2-1/2

Nach dieser Partie dachten viele dass Kasparov nun kurzen Prozess machen würde.


Die dritte Partie: Kasparov verschenkt Remis!
Statt Dauerschach zu geben, spielt Kasparov in Zeitnot auf Gewinn und verliert

Kasparov - Deep Junior [D45]
Man vs Machine NY (3), 30.01.2003
[Eduard Nemeth]
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 e6 5.Sf3 Sbd7 6.Dc2 b6 7.cxd5 exd5 8.Ld3 Le7
Diesen Zug erwartete Kasparov offenbar nicht, denn er überlegte hier nun 17 Min.
9.Ld2 0-0N Ld2 hat auch Deep Junior aus dem Buch gebracht. Nach einigem Rechnen
rochierte er. [9...Lb7 10.0-0 (10.0-0-0 c5 11.Kb1 Dc7 12.Thg1 c4 13.Lf5 g6
14.Lh3 a6 15.g3 b5 16.e4 Sxe4 17.Sxe4 dxe4 18.Sg5 Sf6 19.Lg2 0-0 20.Sxe4 Sxe4
21.Lxe4 Lxe4 22.Dxe4 Lf6 23.Lf4 Db6 24.Le5 Lxe5 A-A Bergez,L-Nezar,M/FRA-ch qual
1999/EXT 2000) 10...0-0 11.Sg5 h6 12.Sh3 c5 13.f4 Tc8 14.Sf2 Te8 15.Tae1 Ld6
16.Dd1 Sf8 17.Sb5 Lb8 18.dxc5 bxc5 19.Sg4 Sxg4 20.Dxg4 a6 21.Sa3 Sh7 22.Lc3 Sf6
23.Df5 d4 24.exd4 Txe1 25.Txe1 cxd4 26.Ld2 Tc6 27.La5 Dd6 28.Sc4 Dxf4 29.Dxf4
Lxf4 30.Lb6 Le3+ 31.Sxe3 Txb6 32.Sc4 Te6 33.Txe6 fxe6 34.Sd6 Ld5 35.a3 a5 36.b4
axb4 37.axb4 Kf8 38.b5 Ke7 39.Sc4 Lxc4 40.Lxc4 e5 41.Kf2 Kd6 42.Kf3 Kc5 43.Ld3
Kd5 0-1 Tatarczak,J-Mlacnik,F/EU-ch02 blind 1999/EXT 2000] 10.g4! Sxg4 11.Tg1
Sdf6?! Ein seltsam anmutender Zug. Weiss übernimmt nun die Initiative! Ich denke
dass ab da schwarz ums Remis kämpfen muss. 12.h3 Sh6 13.e4! dxe4 14.Lxh6

r1bq1rk1/p3bppp/1pp2n1B/8/3Pp3/2NB1N1P/PPQ2P2/R3K1R1 b Q - 0 1


Mit Lxe4! wäre Kasparov auf der Siegesstrasse gewesen.


Viel stärker war Lxe4! wie Kasparov selbst sagte. 14...exd3 15.Txg7+ Kh8 16.Dxd3
Tg8 17.Txg8+ Sxg8! Bis hierher nun alles forciert. Dieser Springerzug ist der
einzige der die Stellung rettet. 18.Lf4 f6 19.0-0-0 Ld6?! [19...Dd7!?=] 20.De3
Lxf4 21.Dxf4 Lxh3 Das hätte fast jedes Programm gespielt. 22.Tg1 Db8 23.De3 Dd6
24.Sh4! Le6 25.Th1 Td8 26.Sg6+ Kg7 27.Sf4 Lf5 28.Sce2 Se7 29.Sg3 Kh8 30.Sxf5
Sxf5 31.De4 Dd7=

3r3k/p2q3p/1pp2p2/5n2/3PQN2/8/PP3P2/2K4R w - - 0 1

Th5?? Typisch Mensch manchmal. Während sich die Maschine zäh verteidigt, genügt
ein einziger Fehlzug des Menschen, und schon triumphiert die Maschine!

32.Th5?? [32.Sg6+! Kg7 33.Sf4 Te8 (33...Kg8 34.Sh5 Kf7 35.Sg3) 34.Dg2+ Kf8
35.Sg6+ hxg6 36.Dxg6 Dg7 37.Dxf5 Dg5+ 38.Dxg5 fxg5= und die Partie ist Remis.]
32...Sxd4 33.Sg6+ Kg8 34.Se7+ Kf8 35.Sd5 Dg7 36.Dxd4 Txd5 0-1


Wer hätte gedacht dass es nach der 3. Partie 1,5 - 1,5 stehen würde; wobei
Kasparov schon zwei Mal weiss hatte? Dem Spielverlauf nach wäre ein 2,5 - 0,5
für Kasparov durchaus gerecht und verdient gewesen. Wie man sieht, genügen gegen
eine Maschine nur wenige Fehler um einen Gewinn zu verpassen oder ein Remis
nicht zu schaffen! Kasparov meinte vor diesem Match, dass nur normales Schach
gegen Maschinen zum Erfolg führe, aber die Praxis hat uns meist eines Besseren
belehrt! Bei normalen Varianten und den sich daraus ergebenden Stellungen ist
nämlich die Gefahr viel größer einen Fehlzug zu begehen, als bei Anti-Computer
Strategien. Das musste Kasparov nun am eigenen Leib verspüren.

Die vierte Partie: Kasparov rettet das Remis mit 2 exakten Zügen!
Zwei exakte Züge retten Kasparov

Deep Junior - Kasparov,Garry (2847) [B44]
Kasparov vs. Deep Junior NY (4), 02.02.2003
[Eduard Nemeth]
1.e4 c5 Kampfesbereit spielt Kasparov wieder sizilianisch. Nach der Partie sagte
er jedoch dass sein Ziel in dieser Partie ein Remis gewesen ist. 2.Sf3 Sc6 3.d4
cxd4 4.Sxd4 e6 5.Sb5 d6 6.c4 Sf6 7.S1c3 a6 8.Sa3 Sd7N Das ist eine Neuerung!
Vermutlich hat Kasparov diese Fortsetzung speziell auf das Matsch gegen Deep
Junior vorbereitet. [8...d5 So verlief die Partie des Lebens von Kasparov gegen
Karpov im Kampf um die die WM Krone im Wiederholungsmatch 1985! 9.cxd5 exd5
10.exd5 Sb4 Ich kann mich gut erinnern: hier spielte Karpov zunächst Lc4, aber
die Partie endete bald Remis. 11.Le2 In der 16. Partie meinte Karpov mit diesem
Zug besser zu stehen. Doch auch auf diesen Zug war Kasparov vorbereitet gewesen
und verschmähte den Bauern. Karpov verlor danach den Faden in komplizierter
Stellung und verlor. Kasparovs Hausanalyse hatte sich bezahlt gemacht. 11...Lc5
12.0-0 0-0 13.Lf3 Lf5 14.Lg5 Te8 15.Dd2 b5 16.Tad1 Sd3 17.Sab1 h6 18.Lh4 b4
19.Sa4 Ld6 20.Lg3 Tc8 21.b3 g5 22.Lxd6 Dxd6 23.g3 Sd7 24.Lg2 Df6 25.a3 a5
26.axb4 axb4 27.Da2 Lg6 28.d6 g4 29.Dd2 Kg7 30.f3 Dxd6 31.fxg4 Dd4+ 32.Kh1 Sf6
33.Tf4 Se4 34.Dxd3 Sf2+ 35.Txf2 Lxd3 36.Tfd2 De3 37.Txd3 Tc1 38.Sb2 Df2 39.Sd2
Txd1+ 40.Sxd1 Te1+ 0-1 Karpov,A-Kasparov,G/World Championship 1985. Auf die
interessante Frage, weshalb Er (Kasparov) diesen Zug d5!? nicht wieder spielte,
entgegnete Gary dass man das Schicksal nicht noch einmal herausfordern sollte.
Er blieb seinen Worten, wie man gesehen hat, auch 17 Jahre danach treu, und
spielte d5 nicht wieder. Vermutlich ist daher der Zug 8...d5 objektiv gesehen
nicht ganz korrekt.] 9.Sc2 Le7 10.Le2 b6 11.0-0 Lb7 12.h3 0-0 13.Le3 Tc8 Solche
flexiblen Stellungen im Sizilianer mag Kasparov. Man erinnere sich an die letzte
Partie 1985, als er in diesem Stil den angreifenden Karpov auskonterte und
Weltmeister wurde. 14.Dd2 Sce5 15.b3 Sf6 16.f3 Dc7 17.Tac1 Tfe8 18.a3 Sed7
19.Tfd1 Db8 Typisch Kasparov. Ein Kompliment muss man hier jedoch dem Programm
Deep Junior geben, der seine Figuren sehr schön in Szene setzte und nichts
überstürtzte. 20.Lf2 Tcd8 21.b4 La8 22.a4 Tc8 23.Tb1 Dc7 24.a5 bxa5 25.b5 Lb7
26.b6!? Manche Kommentatoren fanden diesen Zug nicht gut. Ich meine jedoch dass
dies ein sehr guter Zug ist, weil schwarz nun vollends in die Defensive gedrängt
wird. 26...Db8 27.Se3 Sc5 28.Da2 Sfd7 29.Sa4 Se5 30.Sc2 Scd7 31.Sd4 Ted8
32.Kh1?! Auf einen solchen Zug würde kaum ein Mensch kommen denke ich. Aber
wieder spricht es für das Programm dass es hier nichts überstürzt und die Ruhe
bewahrt. 32...Sc6 33.Sxc6 Txc6 34.Kg1 GM Shipov fand diesen Zug ausgezeichnet.
Schwarz gehen nämlich langsam die Züge aus. Jeder weitere Zug von schwarz droht
nun die eigene Stellung zu schwächen. 34...h6 Das war ebenfalls klug gespielt
von Kasparov. 35.Da3 Tdc8 36.Lg3 Lf8 37.Dc3 Se5 38.c5!? Der Zug ist stark und
Deep Junior hat hier bestimmt sehr tief gerechnet. Objektiv jedoch stellte sich
später heraus, dass diese Fortsetzung den Gewinn nur knapp verpasst. Soll man
daher das Programm kritisieren? Ich denke nicht. 38...Sd7 39.Dxa5 Sxc5 40.Sxc5
Txc5 41.Da4!? Sehr schön von Deep Junior gespielt! Weiss hat nun viele
Drohungen. Dass sich Deep Junior den Bauern mit positionellem Vorteil
zurückerobert, ist nur eine Frage der Zeit. 41...T5c6!

1qr2bk1/1b3pp1/pPrpp2p/8/Q3P3/5PBP/4B1P1/1R1R2K1 w - - 0 1


41...T5c6! Dieser und der folgende Zug 42...d5! sind die einzigen Züge die das
Remis sichern.


Glänzender Konter von Kasparov! Dieser Zug sichert das Remis. An diesem Zug
überlegte Garry 20 Min. [41...T8c6?! 42.Lf2 d5 43.Lxa6 (43.Lxc5 Lxc5+ 44.Kh1
Df4) 43...Da8 44.Lxc5 Lxc5+ 45.Kh1±] 42.Lf2 d5! Kasparov spielt in der Folge
zwei einzigen Züge die nicht verlieren! Stark. 43.Lxa6 Lc5 44.Lxc5 Txc5 45.Lxb7
Dxb7 46.exd5 exd5 47.Da7 T5c7!? Kasparov sieht weit voraus. Weg mit den Damen,
und das Remis ist gegen eine Maschine sicherer! [47...Tb8 Dieser Zug ist
objektiv natürlich der Bessere, jedoch muss man sehen dass hier ein Mensch gegen
eine Maschine spielt. Kasparov sah, dass das Turmendspiel Remis würde und er
wollte diesen Zug nicht spielen, weil, wer weiss sollte Deep Junior die Damen
doch auf dem Brett behalten, so ist es viel leichter im Turmendspiel wie hier
mit einem Bauern zu remisieren, als mit Damen auf dem Brett.] 48.Dxb7 Txb7
49.Txd5 Tc6 50.Tdb5 h5 51.Kf2 Te6!



6k1/1r3pp1/1P2r3/1R5p/8/5P1P/5KP1/1R6 w - - 0 1


Das sah Kasparov im Voraus kommen. Die weissen Türme müssen den b-Bauern
schützen, aber der König kann nicht zur Hilfe kommen. 52.f4 g6 53.Kg3 Kg7 54.Kh4
Kh6 55.T1b4 Td6 56.g3 f6 57.g4 hxg4 58.hxg4 Kg7 59.Tb3 Tc6 60.g5 f5 61.Tb1
Schwarz braucht nun nur mit dem Turm nach e6 zu spielen, und mit dem König
zwischen g7 und f7 hin und her schieben. Die Berater, des ahnungslosen Programms
sahen das ein, Remis daher. Insgesamt eine starke Leistung des Computers der
einem Kasparov alles abverlangte. 1/2-1/2


Die fünfte Partie: Deep Junior trickst Kasparov aus!
Mit einem interessanten Figurenopfer den man quasi in der Schachschule lernt,
holt sich Deep Junior mit schwarz ein Remis gegen die Nr. 1 der Welt.

In der 5. Partie trickste Deep Junior Kasparov aus, und holte mit schwarzen
Figuren ein wichtiges Remis! Die Partie ist schnell kommentiert: nach einer
Neuerung vom Junior-Team (sie haben als Buchautoren den Großmeister Boris
Alterman im Team, denn die Maschine selbst vermag so etwas ja nicht) im Zug 9
mit c6!?, riskierte Kasparov im Zug 10. Dc2!? und hoffte dass der Computer die
Opferkombination nicht spielt. Ein anderes Programm wie Fritz hätte das auch
vermutlich nicht gespielt, aber Junior ist für solche Abwicklungen bekannt (das
hätte Kasparov eigentlich wissen müssen). Die Maschine hatte nach dem Opfer dann
genug Kompensation um ein Remis zu halten. Da es für den Menschen gegen eine
Maschine zu gefährlich ist, hier auf Sieg zu spielen, tat Kasparov gut daran in
eine Zugwiderholung einzulenken! Er probierte im Zug 16 mit Lxh7+ noch einen
interessanten Trick, nämlich den dass die Maschine den Läufer mit der Dame
nimmt, wonach zwar eine etwa ausgeglichene Stellung entstanden wäre, jedoch ohne
die Damen auf dem Brett. Danach hätte Kasparov einige geringe Gewinnchancen
gehabt. Normal meiden die Programme solche Zugwiederholungen, aber Junior tat es
nicht (vermutlich wurde der Remisfaktor für diese Partie vom Junior-Team extra
erhöht. Wenn ich mich richtig erinnere bestätigte das Amir Ban der Programmierer
in einem Forum) ! Danach kam es folgerichtig zu einer Zugwiederholung.


Kasparov,Garry (2847) - Comp Deep Junior [E46]
Man vs Machine NY (5), 05.02.2003
[Eduard Nemeth]
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.e3 0-0 5.Ld3 d5 6.cxd5 exd5 7.Sge2 Te8 8.0-0 Ld6
9.a3 c6 10.Dc2 Lxh2+

rnbqr1k1/pp3ppp/2p2n2/3p4/3P4/P1NBP3/1PQ1NPPb/R1B2RK1 w - - 0 1

Lh2+! Ein Zug wie aus der Schachschule! Das Dj-Team sagte dass Junior diesen Zug
mit einer Bewertung von 0.00 gespielt hat. Kasparov saß wie verblüfft da und
überlegte später sage und schreibe über eine Stunde lang darüber, ob er weiter
riskant auf Gewinn spielen oder doch in das Remis einwilligen sollte. Er
entschied sich für das Remis.

Hat Kasparov das Remis hier vielleicht absichtlich provoziert, damit das Match
das sich ja unerwartet gewendet hatte, bald zuende geht? Stünde die weisse Dame
nämlich noch auf d1 so wäre das Opfer nicht gegangen! Der natürlichere Zug hier
wäre nämlich 10. Sg3!? gewesen mit gutem Spiel für weiss. In einer FS-Partie
fand ich diesen Zug Sg3 tatsächlich. Offensichtlich wusste der FS-Spieler durch
gründliche Analysen, dass nach Dc2 das Läuferopfer spielbar ist.

11.Kxh2 Sg4+ 12.Kg3 Dg5 13.f4 Dh5 14.Ld2 Dh2+ 15.Kf3 Dh4 16.Lxh7+ Kh8 17.Sg3
Sh2+ 18.Kf2 Sg4+ 19.Kf3 Sh2+ 1/2-1/2

Vor der letzten Partie stand es also 2,5 - 2,5! Das haben die Wenigsten
erwartet. Die Erinnerungen an das Deep-Blue Match wurden in mir wach, denn
damals gewann Kasparov ebenfalls die erste Partie und verlor die letzte. Würde
sich das wiederholen? Voller Spannung wartete ich auf die Züge der letzten
Partie in der Kasparov wie gegen Deep Blue, mit den schwarzen Steinen antreten
musste!

Die sechste Partie endet mit einem Friedensangebot!

Kasparov gibt sich mit Remis zufrieden.


Deep Junior - Kasparov,Garry (2845) [B92]
Man vs Machine NY (6), 07.02.2003
[Eduard Nemeth]
1.e4 c5 Kasparov zieht mit schwarz wieder seinen Lieblingszug. 2.Sf3 d6 3.d4
cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le2 e5 7.Sb3 Le7 8.0-0 0-0 9.Kh1 Ld7 10.Le3 Lc6
11.Lf3N Eine selten gespielte Fortsetzung, die gesamte Variante übrigens. Ich
fand nur 3 Vorgänger bis Zug 10. Aber das war schon in den vorangegangenen
Partien des Matches so! [11.Sd5 Sbd7 12.f3 Sxd5 13.exd5 La4 14.Dd2 h6 15.Db4
Lxb3 16.axb3 Dc7 17.c3 Lg5 18.Lg1 f5 19.Ld3 Tae8 20.Tae1 h5 21.Lc2 g6 22.g4 hxg4
23.fxg4 e4 24.gxf5 gxf5 25.Te2 Lh6 26.Tg2+ Kh8 27.Tg6 Kh7 28.Txd6 a5 29.Da3 Se5
30.Dc5 Dg7 31.Ld4 Tg8 32.Tg1 Df7 33.Txg8 Dxg8 34.Lxe5 Txe5 35.Txh6+ Kxh6 36.Dd6+
Dg6 37.Dxe5 1-0 Oll,L-Wojtkiewicz,A/Keres Rapid Tallinn rapid 1998/CBM 62 ext
(37)] 11...Sbd7 12.a4 b6 Solchen Bauernzug wie b7-b6 im Sizilianer, spielte
Kasparov oft. In den wichtigsten Partien seiner Karriere spielte er diese
Abwicklung! 13.Dd3 Lb7 14.h3 Tc8 15.Tad1 Kasparov besetzt die c-Linie, das
Programm die d-Linie. 15...h6 16.Tfe1 Dc7 17.g3 Tfd8 18.Kh2 Te8 Weiss kann seine
Stellung kaum verstärken, daher überstürzt Kasparov nichts und wartet erst
einmal ab welchen Plan die Maschine wählt. 19.Te2 Dc4 20.Dxc4 Normal ist es
nicht im Sinne von Computern, die Damen selbst zu tauschen. 20...Txc4 21.Sd2 Tc7
22.Lg2 Tec8 23.Sb3?! Ein fragwürdiger Zug! Fritz würde in Folge so spielen wie
Kasparov. 23...Txc3 24.bxc3 Lxe4 25.Lc1 Lxg2 26.Kxg2 Txc3


6k1/3nbpp1/pp1p1n1p/4p3/P7/1Nr3PP/2P1RPK1/2BR4 w - - 0 1

Kasparov bietet hier ein Friedensangebot an. Das Deep Junior-Team stimmt bald
zu.

Kasparov bietet hier, für manche Experten und Zuschauer unverständlich, Remis.
Als das Dj-Team das Remis erst einmal ablehnte da zeigte Kasparov eine saure
Miene, denn auf einem TV-Kanal in den USA wurde die Partie live übertragen. Im
Internet hat sich das dann herumgesprochen. 27.La3 Se8 Hier war die Mehrheit der
Kommentatoren einig dass schwarz besser steht. Die Meinung der kommentierenden
Experten war, dass Kasparov hier ohne Risiko hätte weiterspielen können. Zwar
sind die Chancen zu gewinnen nicht hoch, aber das Risiko zu verlieren sei auch
kaum da. 28.f4 mit Remisangebot. 1/2-1/2

Fazit: Nach der 6. Partie meinte Kasparov dass ein 3-3 gegen die Maschine ein
gutes Ergebnis ist! Wenn dem so ist, dann sind die Maschinen tatsächlich bereits
jetzt schon soweit dass sie den besten menschlichen Spielern Paroli bieten
können. Die letzten großen Duelle endeten tatsächlich alle Unentschieden. Ich
meine jedoch dass der Tag der WAHRHEIT erst dann wirklich kommen wird wenn der
Titel eines absoluten Weltmeisters auf dem Spiel stehen wird...

Einigen neuen Angaben zufolge die ich gehört habe (also Gerücht), soll Dj statt
auf 8 nur auf 4 Prozessoren in New York gelaufen sein. Zudem soll angeblich nach
jeder Partie eine andere Dj Version gespielt haben. Nun, ich war ja live dabei -
meist bei ICGA und konnte vor den Partien unter dem Brett lesen dass sich die 8
Prozessoren "warmlaufen". Ich gehe daher davon aus dass Dj tatsächlich auf 8
Prozessoren gespielt hat.

Lars Bremer:

Amir Ban hat im CCC geschrieben, DJ sei in NY auf der 4-Prozessor-Maschine
gelaufen. Natürlich erst nach dem Match, währenddessen haben die allen erzählt,
es sei die 8-Chip-Kiste. Ich hab mich auch veräppeln lassen und das in den
Newsticker geschrieben. Wer kann denn ahnen, dass die so schwindeln

Ich hatte Shay gefragt und das bei heise online geschrieben:

http://www.heise.de/newsticker/data/lab-27.01.03-000/
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-29.01.03-000/
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-03.02.03-000/


Vermutlich skaliert DJ auf 4 Procs besser als auf 8, und es waren ja bei der
4fach-Maschine auch etwas mehr MHz/Prozessor. Wie auch immer, es ist eine
Frechheit, dass die rein aus Werbegründen solche falschen Behauptungen
aufstellen.

Davon, dass jede Partie von einer anderen DJ-Version gespielt worden sei, höre
ich zum ersten Mal, das würde ich aber für legitim halten.

Noch eine kleine Anmerkung: Garri hat gesagt, er habe mit Th5 das Remis
forcieren wollen, es war also kein Gewinnversuch, wie Du geschrieben hast.
Mittlerweile hast Du das sicher auch schon gehört.

( Quelle: CSE Forum  http://www.f27.parsimony.net/forum66816/messages/789.htm )




4. KURT UTZINGER:   Rebel 12 Beta 1 Test ( Rebel vs. Shredder 7.004) PGN:

[Event "Reb12beta1_Shr704 120'/40"]
[Site "Wetzikon"]
[Date "2003.04.05"]
[Round "9"]
[White "Rebel 12 beta1"]
[Black "Shredder 7.04"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "A29"]
[Annotator "Utzinger,K"]
[PlyCount "205"]

1. c4 {Rebel 12 beta1 on Dur 1.3/60 MB hash, ponder=on / Shredder 7.04 on P3
800/48 MB hash, ponder=on, shredder7.ctg} 1... e5 2. Nc3 Nf6 3. Nf3 Nc6 4. g3
Nd4 5. Bg2 Nxf3+ 6. Bxf3 Bc5 7. O-O O-O {Black last book move} 8. e3 {
White last book move} 8... Be7 9. d4 d6 10. Bg2 c6 11. f4 exd4 12. exd4 Bf5 13.
Re1 Re8 14. h3 Qb6 15. g4 Be6 16. b3 d5 17. c5 {Leads to complications that
humans most probably would have tried to avoid. It is not easy to give a
correct assessment here. An option was 17.f5 / Fuehrt zu Komplikationen, die
ein Mensch wohl vermieden haette, weil es schwierig ist, die entstehende
Stellung abzuschaetzen. Eine Alternative war 17.f5} 17... Bxc5 18. dxc5 Qxc5+
19. Re3 Bxg4 20. Qd3 Bf5 {Black has three pawn for a piece / Schwarz hat drei
Bauern fuer eine Leichtfigur} 21. Na4 Rxe3 22. Bxe3 Qe7 23. Bc5 Qd7 24. Qf1 Ne4
{Black has actively placed pieces and White remained with weaknesses on the
kingside. I think that Black has enough compensation here / Die schwarzen
Figuren stehen gut und Weiss hat Schwaechen am Koenigsfluegel. Ich glaube,
dass Schwarz genuegend Kompensation hat} 25. Bd4 Qd6 26. Kh2 b6 27. Nc3 Nc5 28.
Ne2 Be4 29. Bxc5 Qxc5 30. Bxe4 dxe4 31. Ng3 Re8 32. Rc1 Qd6 33. Rd1 Qc5 34. Qe2
{Rebel avoids repetition of moves with 34.Rc1 Qd6 35.Rd1 Qc5 36.Rc1 / Rebel
vermeidet die Zugswiederholung 34.Tc1 Dd6 35.Td1 Dc5 36.Tc1} 34... Kf8 35. Rd7
Qc1 {Further investigations requires 35...a5 / Naeher untersucht werden
muesste 35...a5} 36. f5 Qa1 37. Rxa7 e3 38. Qh5 Qf6 39. Ne2 {After 39.Qxh7 Qb2
it is hard for the white king to escape from perpetual checks / Nach 39.Dxh7
Db2 hat es der weisse Koenig schwer, dem Dauerschach auszuweichen} 39... Kg8
40. Qg4 h6 41. Qf3 Re5 42. Ra4 Qxf5 43. Qxc6 Qf2+ 44. Qg2 Rf5 45. Rg4 g5 46. a3
h5 47. Rg3 f6 {Black has made some progress and it's White to have not much
space / Schwarz hat Fortschritte gemacht und Weiss hat nicht mehr viel Raum
zur Verfuegung} 48. Kh1 h4 49. Rg4 Rf3 50. Kh2 Kf7 51. a4 Ke8 52. b4 Rf5 {
Prevents a4-a5 / Verhindert a4-a5} 53. Kh1 Re5 54. Qc6+ Kf7 55. Qc7+ Kg6 56.
Rg2 Qe1+ 57. Ng1 Qxb4 58. Ne2 Qxa4 59. Qxb6 Qe4 {
White has no longer advantage / Weiss hat bereits keinen Vorteil mehr} 60. Kg1
Re8 61. Qb5 Rc8 62. Rg4 Qf3 63. Kh2 Rd8 64. Rg2 Qf5 65. Qb3 Qe5+ 66. Kh1 Qe4
67. Kg1 Kg7 68. Qc3 Rd1+ 69. Kh2 Kg6 70. Qc5 Rf1 71. Ng1 Qe5+ 72. Qxe5 fxe5 {
After the exchange of queens, it is only Black being able to play for a win /
Nach dem Damentausch kann nur noch Schwarz auf Gewinnspielen} 73. Ne2 Rd1 74.
Ng1 Kf5 75. Kh1 Ke4 76. Kh2 Rf1 77. Rxg5 Rf2+ 78. Kh1 e2 79. Rg4+ Kd3 80. Nxe2
Rxe2 81. Rxh4 e4 82. Rh6 Rd2 83. Rd6+ Ke3 84. Rf6 Rf2 85. Re6 Kf3 86. Rf6+ Ke2
87. Ra6 e3 88. Kg1 {
The rook ending is equal / Das Turmendspiel ist ausgeglichen} 88... Rf8 89. h4
Rg8+ 90. Kh2 Re8 91. Kg2 Rg8+ 92. Kh2 Ke1 93. Kh3 Kd2 94. Rd6+ Ke2 95. h5 Re8
96. Kg2 Re5 97. h6 Re7 98. Ra6 Rh7 99. Ra2+ Kd3 100. Ra3+ Ke4 101. Ra4+ Kf5
102. Kf3 Rxh6 103. Kxe3 1/2-1/2


( Quelle: Schachcomputerwelt:
http://f50.parsimony.net/forum200318/messages/2195.htm )




5. PETER ACKERMANN:  Interesting ending and the evaluation by engines

Hi!

In a blitz game Gandalf 5.1 against Shredder 7.04 the following position
occured:

A draw ending and the evaluation...


8/P1n2k2/5P2/4P3/2Kp4/8/8/8 w - - 0 78


A lot of engines seem to have big problems seeing that this position is a draw
while others see 0.00 in a few seconds...
I want to mention the Dragon 4.4.3 seems to understand this position very well!
My question (to programmers): Is there a special code which has to be written to
understand these positions?

Regards!

Peter

( Quelle: FCP Forum http://www.f22.parsimony.net/forum41668/messages/21311.htm )




6. CHRISTIAN BARTSCH:  Die erweiterte Tartakower -Variante der Französischen
Verteidigung

Die erweiterte Tartakower -Variante der Französischen Verteidigung

Einleitung

Die Französische Verteidigung ist eine der modernsten Eröffnungen mit immer noch
vielen interessanten Fragen, die weitgehend ungeklärt sind. Dennoch scheint
Schwarz befriedigendes Spiel in den aktuellen Hauptvarianten nach 1. e4 e6 2. d4
d5 erreichen zu können. Aus diesem Grund wurden auch immer wieder Alternativen
im zweiten Zug für Weiß erprobt. Oftmals verschwanden die Züge schnell wieder
aus der Großmeisterpraxis und erfreuen sich heute nur in unteren Schachebenen
einer gewissen Beliebtheit. Ob nach 1. e4 e6 die folgenden Ideen eine
Widerlegung des schwarzen Aufbaus darstellen, ist immer noch nicht ausreichend
untersucht.

a) Tschigorins 2. De2
b) Niemzowitschs 2. d3
c) Retis 2. b3
d) Steinitz 2. e5
e) 2. f4
f) 2. Sc3
g) 2. c4
h) 2. Sf3
i) und das näher zu untersuchende 2. g3

Der Zug 2. g3 wurde von Tartakower vorgeschlagen und erstmals im Turnier zu
Kecskemet 1927 von ihm angewandt. Müller und Colle , zwei starke Gegner haben
nur 1/2 Punkt aus den zwei Partien geholt, aber wahrscheinlich lag das weniger
am Erfolg der vorzustellenden Eröffnungsidee. Die Entwicklung des Königläufers
auf g2 im dritten Zug hat auch später weder im Nah- noch im Fernschach seine
Berechtigung gefunden. Die Variante wurde schnell von den Meistern aus dem
Repertoire verbannt und heute geht es meist nur darum den Gegner zu überraschen
und dafür scheint es in der Praxis der Supermeister nicht gut genug. Ob
sämtliche Ideen nach 2. g3 ausgelotet sind, bleibt abzuwarten.

Angeblich spielt Weiß einen "anspruchslosen" Aufbau. Wenn man diese Aussage nach
dem zweiten Zug bereits treffen kann, ohne sich näher mit den Problemen der
Stellung vertraut zu machen, dann muss man Eröffnungsvarianten kennen, welche
der vorliegenden bedeutend überlegen sind. Aber bei steigender Partienanzahl,
Analysebereitschaft und wachsenden Computereinsatz gibt es auch 2002 noch in
keiner weißen Eröffnungsbehandlung entscheidenden Vorteil, geschweige in den
Hauptvarianten der hier von Schwarz gewählten französischen Eröffnung. Ob es
also gerechtfertigt ist, immer 2. d4 in der französischen Partie zu spielen
..... ??

Das französische Problem

Eine kurze Charakteristik scheint angebracht. Wenn Weiß 1. e4 spielt und Schwarz
antwortet darauf 1. .. e6 haben wir die Grundposition der französischen Partie
bereits erreicht.


Mit seinem 1.Zug gibt Schwarz seinen weiteren Plan bekannt und die Struktur der
Stellung ist gekennzeichnet durch den Bauern e6 .
Im Normalfall würde man den Zug 1. .. e6 folgendermaßen glossieren:

rnbqkbnr/pppp1ppp/4p3/8/4P3/8/PPPP1PPP/RNBQKBNR w KQkq - 0 1

Schwarz entscheidet sich für die Abdeckung des Bauern f7 durch seinen e-Bauer
auf e6. Ein weißer Angriff auf f7 durch den Läufer oder/und die Dame auf der
Diagonale a2-f7 ist nur schwer durchzusetzen. Weiterhin bekundet er Interesse
den Kampf um die Felder d5 und f5 aufzunehmen statt z.B. mit 1. ..e5 seinerseits
die Felder d4 und f4 unter Beschuss zu nehmen. Ein unmittelbarer Zug ist in
diesem Fall oftmals die Besetzung von d5 mit dem Bauern. Die Eröffnung ist aber
auch schwierig, da Schwarz dem Weißen einen gewissen Raumvorteil überlässt trotz
des späteren Gegenangriffs im Zentrum. Neben den Varianten nach 2. d4 d5 gibt es
auch die Idee sich "damenindisch" mit 1. e4 e6 2. d4 b6 aufzustellen wie einst
von Breyer vorgeschlagen, was aber nie großen Zuspruch fand.

Die französische Partie ist daher im Gegensatz zur skandinavischen Partie nicht
ganz so radikal aber auch etwas lebhafter als die Caro Kann-Verteidigung .
Dennoch hat 1. .. e6 neben der Bekanntgabe der Richtung des schwarzen Spiels
eine weitere Schattenseite - nämlich für den Damenläufer c8 einen geeigneten
Platz zu finden.
Im weiteren Verlauf wird neben dem Kampf um das Zentrum Schwarz voraussichtlich
einen Angriff am Damenflügel beginnen ohne jedoch die Abwehr am Königsflügel
vernachlässigen zu können.

Wenn Weiß also derart viel Informationen über die schwarzen Pläne nach dessen
1.Zug ( !!) besitzt, sollte es für ihn doch möglich sein mit einem unscheinbaren
Zug wie 2. g3 dem Schwarzen ebenfalls ein paar nachdenkenswerte Minuten zu
bescheren.

Die Geschichte der Tartakower-Variante

Bevor ich versuche eine Strategie für Weiß zu entwerfen, möchte ich keinesfalls
den Erfinder von 2. g3 übergehen. Was also waren seine Gedanken ??

In seinem Buch "Die hypermoderne Partie" schreibt Savielly Tartakower folgendes:

Ist die "französische Mauer" zu durchbrechen ? Diese Frage, die bereits von
Jänisch 1842 zugunsten der nachziehenden Partei beantwortet wurde, bildet noch
heute das Um und Auf der ganzen Eröffnung. Immer mehr überzeugt man sich dabei,
dass die Unterbrechung der Angriffslinie gegen f7 wie eine kalte Dusche wirkt
und dass die Bildung des weißen Bauernzentrums ( mittels 2. d2-d4 und späterem
e4-e5 ) von ephemerer Natur ist, da das schwarze Gegenspiel ( mit c7-c5 und
gelegentlichen f7-f6 ) nicht lange auf sich warten lässt. - Wenig ergibt auch
die Entspannungsmethode mittels e4xd5, möge nun dieser Abtausch in seiner
einfachen, bereits von Morphy bevorzugten Form ( im 3. Zuge ), oder in seiner
hochkultivierten, von Svenonius aufoktroyirten Gestalt ( im 5. Zuge ) geschehen.
- Da ferner auch die Flügelstöße 2. f2-f4 nach 2. .. d5 3. e5 c5 usw. sowie 2.
c2-c4 nach 2. .. c5! 3. Sf3 Sc6 4. d4 cd4 5. Sxd4 Sf6 usw. allerlei Schwächen
zurücklassen, liegt der Gedanke nahe, das Geheimnis der Eröffnung in ganz
geschlossener Weise zum Lösen zu bringen.
....
(im Folgenden geht er auf einige Züge die ich in der Einleitung erwähnte kurz
ein, um abschliessend festzustellen: )

Wir empfehlen daher als die einzige, philosophisch richtige Bekämpfungsart der
französischen Partie

rnbqkbnr/pppp1ppp/4p3/8/4P3/6P1/PPPP1P1P/RNBQKBNR b KQkq - 0 1


2. g2-g3, wobei der weiße Königsläufer auf eine vielversprechende Diagonale
gelangt, während seine Verwendung auf der Hauptdiagonale (also etwa Lf1-d3 ) die
Gestaltung der sorgenvollen Bauernkette (c3, d4 und ev. e5 ) als Bedingung
auferlegt.

Nach 2 g3 d5 3. Lg2! (der schwarze Damenläufer soll nur schön eingekapselt
bleiben!) 3. .. de 4. Sc3! (noch energischer als 4. Lxe4 Sf6 5. Lg2 , worauf
Schwarz vielleicht am besten 5. .. e6-e5 6. Sf3 Ld6 7. O-O O-O mit gewissen
Ausgleichperspektiven fortsetzt) 4. .. f5 (oder 4. .. Sf6 5. Sxe4 Sxe4 6. Lxe4
mit astmathischen Beschwerden für Schwarz) 5. f3! wird unter event.
Bauernaufopferung dem starren Gerippe der französischen Spielkonfiguration
neues, wildaufbrausendes Leben eingehaucht.

In Betracht kommen freilich für Schwarz auf 2. g3 das Oppositionssystem 2. .. b6
3. Lg2 Lb7 worauf aber etwa 4. Sc3 f5 5. Sf3! fxe4 6. Sg5 Sf6 7. Sgxe4 usw. zu
einem für Weiß günstigen Geplänkel im Zentrum führt.

Dies sind die neuen Perspektiven für die Entwurzelung der französischen
Verteidigung. Kehren wir nun zur Wirklichkeit zurück, die vorläufig noch fast
ausnahmslos vom naiven Vorstoß 2. d2-d4 beherrscht wird und im Zusammenhang
damit hartnäckig das Bauernzentrum aufzubauen trachtet.

In Kecskemet 1927 wurde die Idee nach nur zwei Partien in der Meisterpraxis
wieder zu Grabe getragen. Natürlich gab es hin und wieder später Versuche die
Spielweise zu beleben. Einmal war kein geringerer als der Französisch-Experte
Wolfgang Uhlmann Führer der schwarzen Steine. Aber bereits im Kecskemeter
Turnierbuch, welches 1928 unter Mitarbeit von Alekhine, Kmoch, Maroczy und
Niemzowitsch erschien, wurde der Aufbau nach 3. Lg2 angezweifelt. Dieses Urteil
nach zwei Partien auf hoher Ebene nachzuvollziehen scheint fraglich. Die vier
Schachmeister, die sicher auch Analysen und Meinungen der übrigen Teilnehmer mit
zu Rate zogen, stehen wahrlich nicht für oberflächliche Aussagen und so gehe ich
davon aus, dass es eine rege Diskussion gegeben hat. Andererseits hat jene
Generation , allen voran der Erfinder Tartakower nie den Läuferzug in Frage
gestellt und später stets 3.Lg2 gespielt. Schade, dass die "vermuteten"
ausführlichen Analysen im Buch nicht festgehalten wurden. So steht leider nur
geschrieben:

Tartakower fühlte sich verpflichtet, zweimal seine Variante ( 1. e4 e6 2. g3) zu
versuchen und hatte damit gegen Müller auch vollen Erfolg: 1. e4 e6 2. g3 d5 3.
Lg2 dxe4 4. Sc3 Sf6 5. Sxe4 Sxe4 6. Lxe4 Sd7 7. Se2 Sf6 8. Lg2 e5 9. O-O c6 10.
d4!

r1bqkb1r/pp3ppp/2p2n2/4p3/3P4/6P1/PPP1NPBP/R1BQ1RK1 b kq d3 0 1

Weiß ist infolge seines Entwicklungsvorsprunges beträchtlich in Vorteil. Wenn
aber Schwarz statt c6 den logischen Zug 9. .. Lc5 gemacht hätte, so stand er
zufriedenstellend.
Im vierten Zug konnte f7-f5 mit Behauptung des angebotenen Bauern geschehen.


Der Angriff, den Weiß dann mit 5. f3 oder sogar 5. d3 eröffnen kann, macht
keinen überzeugenden Eindruck.

Gegen Colle hat auch Tartakower das Opfer nicht mehr angeboten, sondern 4. Lxe4
gezogen. Es folgte Sf6 5. Lg2 Sc6 6. Se2 Ld6 7. Sbc3 O-O 8. d3 e5 mit gleichem
Spiel. Mit Lxc6 hätte Weiß die feindlichen Bauern zwar schwächen können, die
schwarzen Läufer wären aber dann sehr stark zu Wort gekommen.

Von der Aussicht ausgehend, dass die Tartakower-Variante in vorliegender Form zu
zeitraubend ist, um irgendeinen Eröffnungsvorteil zu ergeben, bringen wir den
Stützungszug 3. f2-f3 in Vorschlag.

Er wirkt gewiss ziemlich unästhetisch, ob er schlecht ist, fragt sich aber. Sein
Wohl und Wehe hängt wahrscheinlich von der Entgegnung 3. .. dxe4 4. fxe4 e5! ab,
dagegen ist das stürmische 3. .. h5 kaum zu fürchten.

Systematik der weißen Züge

Nach 1. e4 e6 2. g3 d5 entsteht die Ausgangsstellung der Tartakower-Variante. Im
zweiten Zug hätte Schwarz neben der angesprochenen Fianchettierung seines
Damenläufers auch 2. .. c5 spielen können, womit er in die Sizilianische
Eröffnung überleitet. Fraglich dies Gebaren, da er ja diese Wahl bereits im
1.Zug hatte und dort im Anschluss über mehr Möglichkeiten verfügt als wenn
bereits e7-e6 geschehen ist und es daher einer Offenbarung gleicht.
Im dritten Zug von Weiß sind nun Lg2 und in neuster Zeit Sc3 angewandt worden.
Beide Züge bedürfen ebenfalls noch einer abschließenden Analyse um endgültig
verstanden zu werden. In meiner kleinen Abhandlung werde ich jedoch den völlig
unbekannten und nur einmal (mir bekannten) in der Praxis erprobten Zug 3. f2-f3
beleuchten.
1. e4 e6 2. g3


Nachdem ich die Position nach e6 kurz erklärt habe möchte ich auch den Zug 2. g3
aus meiner Sicht erläutern.

Die Stellung nach 2. g3 gibt natürlich auch dem Schwarzen ein paar
Informationen, die er im weiteren Verlauf nutzen kann. So kann er sich fast
sicher sein, dass der weiße Läufer auf g2 gebracht wird und Weiß ein Spiel gegen
den Punkt d5 beginnt. Eventuell ist ein Bauernangriff am Königsflügel ( h4 g3 f4
e4 ) angesagt nachdem der weiße König furchtlos auf den Damenflügel sein Heil
sucht. Der Springer steht bei beiden Plänen auf f3 im Wege und wird deshalb auf
h3 oder e2 gespielt werden. Das Feld e2 scheint dabei die bessere Alternative zu
sein, da f4 ebenfalls abgedeckt oder besetzt werden kann und auf g5 keine
unmittelbare Gefahr für Schwarz droht wenn Weiß sein Pferd dorthin schickt.
Dafür kann auf e2 auch d4 und c3 anvisiert werden.

2. .. d5 3. f3

Diesen Zug schlagen also wie bereits oben erwähnt die alten Meister des Turniers
in Kecskemet vor. Sie sind überzeugt, dass 3. .. h5 keine Widerlegung sei und
das die Folge 3. ..dxe4 4. fxe4 e5! ausführlich untersucht werden sollte. Die
einzigste bekannte Partie, in welcher 3. f3 zur Anwendung kam, wich jedoch mit
3. .. Sc6 ab und führte zu der dritten Entgegnung auf den Zug. ( Außerdem ist
neben 3. f3 auch 3. e5 interessant. Sicher, nach 2. g3 ist e5 mit Verriegelung
inkonsequent, aber ist es ein Fehler ? Schließlich gewinnt Weiß Raum !.) Für
mich kommt außerdem noch 3. .. c5 (um Einfluss auf das Feld d4 zu bekommen) und
eventuell 3. .. Sf6 zusätzlich in Frage. Ob gar 3. .. b6 erwähnenswert ist ??
Auch diese Frage werde ich in Folge kurz versuchen zu beantworten.

a) Mokka in der Tasse
1. e4 e6 2. g3 d5 3. f3 h5
mit 3. .. h5 will Schwarz einen Angriff inszenieren . Seine Idee: nach h4 den
Punkt g3 schwächen und die geöffnete Diagonale e1-h4 oder die geöffnete h-Linie
zu nutzen. Wenn laut Aussagen, Weiß dieses Vorgehen nicht fürchten muss, so
scheint es einen entsprechenden Gegenzug zu geben. Meine drei Varianten wären e5
; h4 oder nach bspw.
4. Lg2 h4 5. g4
a) Kalter Kaffee in der Tasse

1. e4 e6 2. g3 d5 3. f3 Sf6

zwei Ideen sind möglich - zum einen den Bauer e4 abdecken z.B. mit 4. Lg2 oder
4. d3 oder 4. Sc3 oder zum anderen mit 4. e5 den Springer nach d7 zu vertreiben

b) Schonkaffee in der Tasse

1.e4 e6 2. g3 d5 3. f3 b6

da Schwarz mit d3 rechnen muss wird er seinen Läufer auf b7 stellen. Das
wiederum provoziert 4. e5 , um das Zentrum festzulegen und den Läufer vorerst
auf Granit brechen zu lassen. Als Zugabe fällt die beengte Stellung auf, die die
schwarze Mobilisierung zunächst hemmt.

c) Kaffee oder Tee in der Tasse

1.e4 e6 2. g3 d5 3. f3 c5

Nach 3. .. c5 sieht die Position sizilianisch aus. Psychologisch sicher ein
Gewinn für Weiß da ja Schwarz mit 1. .. e6 diesem System ausweicht. Auch sonst
ist in dieser Variante meines Erachtens Weiß in einer etwas besseren Position.




d) Filterkaffee in der Tasse
1. e4 e6 2. g3 d5 3. f3 Sc6
Das also die einzigste Partiefortsetzung nach f3 zwischen Wieggers, Hans -
Martin Ojeda, Juan-Manuel 1995 in Santa Cruz de la Palma op es ging weiter 4.
Lg2 Lc5 5. b3 dxe4 6. Lb2 exf3 7. Sxf3 Sf6 8. d4 Le7 9. Sbd2 Sb4 und das Spiel
steht m.E. etwa gleich


a) aromatischer Kaffee in der Tasse
1. e4 e6 2. g3 d5 3. f3 dxe4 4. fxe5 e5!
Von dieser Variante hängt also 3. f3 ab ! Nun ich denke hier gibt es viel zu
tun, denn den "Tempoverlust" e7-e6-e5 steht nur die Schwäche der weißen Felder
auf der Königsseite entgegen. Da aber die Computer vermutlich nie 3. .. dxe5
spielen sondern wie in der Stammpartie 3. .. Sc6 kann man hier in Ruhe eine
Entkräftung der schwarzen Spielweise vorbereiten.

Zum Abschluss sei erwähnt, dass nach einem PC-Crash ein bereits laufendes
Turnier für immer verschollen ist. Als Beobachter war ich auch etwas unglücklich
über den Verlauf, da oft auf 3. f3 mit 3. .. d4 von den Engines geantwortet
wurde.

( Quelle: SCW http://f50.parsimony.net/forum200318/messages/1858.htm )


So lieber Leser, das war der erste Schritt, sozusagen die Geburt des
CSF-Journals

Die nächste Ausgabe von Computerschach Forum-Journal erscheint am 15.05.2003,
und danach alle 6 Wochen.

Anregungen sind jederzeit, sowohl per Email als auch in den Foren wo da CSF-J
publiziert ist, sehr erwünscht. Auch für Hinweise auf interessanter Posts in
Foren bin ich sehr dankbar!

Eduard Nemeth - derzeitiger Herausgeber - aber das soll so nicht bleiben.

Mein Wunsch ist es, dass alle aktiven Teilnehmer in den Foren mitarbeiten, und
ich weiss dass es zumindest technisch deutlich bessere Leute gibt als mich, z.B.
für das Layout, das Vorwort, die News, Themen, etc..

Wir haben eine Vielzahl an Computerschach-Foren. Jedes Forum und jeder Poster,
wo auch immer er steht, ist willkommen!! Ich nenne hier einfach ‚mal einige
deutsche Foren: FCP-Forum, CSE-Forum, SCW-Forum, CSS-Forum, WB-Forum,
Cbits-Forum.

Ich machte nun den ersten Anfang, wie gesagt, auch damit plastisch rüberkommt
was mit dem Journal bezweckt werden soll. Der Zweck ist, dass man Artikel die in
den Foren diskutiert wurden, noch einmal reflektieren kann, ebenso ist es
lohnenswert einiges auch ein 2. Mal zu lesen, und man kann sogar (wer möchte)
dem Stoff neue Aspekte geben indem man ihn evtl. noch einmal zur Diskussion
stellt?

Wer sich gerne mit einbringen möchte (auch für englischsprachige Themen, oder
Übersetzungen) der melde sich in den jeweiligen Foren des CSF-Journals, oder per
Email bei mir unter:

Email: eduard58@web.de

Download Adresse (als *.TXT im WINZIP-Form) derzeit bei Eduard's World:

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Ich wäre sehr dankbar, wenn CSF-Journal möglichst auf vielen Homepages zum
Download angeboten würde. Interessenten bitte meldet euch!

Computerschach Foren-Journal ist Kostenlos,  unterliegt jedoch dem Copyright der
Download-Seite, sowie aller Foren wo es veröffentlicht wurde.

Eduard Nemeth, 2003-04-06




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