Author: Eduard Nemeth
Date: 03:41:32 07/08/03
Pseudo Chess960 (FRC): Bevor ich auf dieses Thema direkter eingehe, möchte ich etwas zur Auslosung von Stellungen im Chess960 sagen. Das ist nämlich sehr wichtig. Um Chess960 (oder anders ausgedrückt „Fischer Ramdom Chess“) korrekt zu spielen, ist es nötig dass unmittelbar vor jeder (!) Partie die Anfangsstellung ausgelost wird. Damit erreicht man einen wichtigen Überraschungs-Moment denn die Spieler können sich vor der jeweiligen Partie mit Analysen nicht vorbereiten. Das ist ja auch der eigentliche Sinn des Chess960 (s.o. in der Einleitung)! Alle Möglichkeiten einer theoretischen Vorbereitung sollen beim Chess960 unterbunden werden. Es gibt 3 verschiedene Methoden um eine Stellung auszulosen. Die beste Methode besteht darin, dass man anhand eines Zufall-Computergenerators eine Stellung auslost. Dort wo das nicht geht, eignet sich folgende Möglichkeit: Die Würfelmethode: Die acht weißen Offiziere (die Bauern ja nicht) werden in einen Beutel gelegt und gut gemischt. Es wird gewürfelt, bis max. 4 Augen zu sehen sind. Der erste Läufer wird auf das ausgeloste Feld der vier freien weißen Felder b, d, f, h, (also je nach der gewürfelter Zahl) gesetzt. Danach wird wieder gewürfelt bis max. 4 Augen zu sehen sind. Der zweite Läufer wird auf das ausgeloste Feld der vier freien schwarzen Felder a, c, e, g (je nach gewürfelter Zahl gesetzt. Nun ist die Dame dran. Je nach Augenzahl wird die Dame auf eines der übrigen 6 Felder, ausgegangen von Feld a (entspricht 1 Auge), gesetzt. Nun sind die Springer dran. Es wird gewürfelt bis max. 5 Augen zu sehen sind. Der erste Springer wird je nach Augenzahl, ausgegangen von Feld a, gesetzt. Nun ist der zweite Springer dran. Es wird gewürfelt bis max. 4 Augen zu sehen sind. Der zweite Springer wird je nach Augenzahl, ausgegangen von Feld a, gesetzt. Zu erwähnen sei hier nebenbei dass es tatsächlich möglich ist dass danach nun beide Springer auf einem gleichfarbigen Feld stehen. Bei Läufern ist das nicht möglich, daher werden bei dieser Methode die Läufer auch als erste gesetzt. Nun bleiben nur noch drei Felder übrig. Da der König IMMER zwischen den Türmen stehen muss, so setzt man nun die beiden Türme zwingend auf die beiden übrig gebliebenen äußeren Felder und den König dazwischen. Und wenn man keinen Würfel zur Hand hat? Dafür lese der interessierte Leser bei Reinhard Scharnagl (siehe unter LINKS) über die „Praktische Beutel-Methode (von R. Scharnagl)“ nach. Mir selbst genügen diese zwei Methoden. Pseudo Chess960: Das Chess960 (FRC) lebt von seinem Überraschungseffekt. Dieser ist aber nur dann gegeben, wenn unmittelbar vor jeder Partie die Ausgangsposition ermittelt wird. Lost man eine Stellung z.B. 24 Stunden vor Beginn aus, so kann man schon nicht mehr vom richtigen Chess960 sprechen. Solche Chess960 Spiele kann man getrost als „Pseudo (Pseudo = scheinbar, vorgetäuscht) Chess960“ betrachten. Im Chess960 gibt es insgesamt 18 Stellungen wo sich die Türme sowie die Könige in der üblichen Stellung befinden. Angenommen man spielt nur mit diesen 18 Varianten. Ein guter Spieler wird sich diese 18 Varianten spätestens nach einer gewissen kurzen Zeit gut merken, und wird Strategien entwickeln können. Da sich die Türme sowie der König immer auf den Feldern a1(8), e1(8), h1(8) befinden, macht die Sache umso leichter. Daher ist es schon sehr wichtig dass bei der Auslosung alle 960 Ausgangspositionen möglich sind, nicht wahr? Wo nicht alle 960 Positionen ausgelost werden, kann man nicht mehr von Chess960 (RFC) sprechen! Das gehört zur Regel des Chess960. Punkt! Im Computerschach gibt es eine Vielzahl von Motoren (Engines) die diese 18 Positionen spielen können, da die Rochade-Ausgangspositionen identisch sind mit denen des klassischen Schachs. Bei solchen Turnieren kann man deshalb (s.o.) nicht wirklich von Chess960 sprechen, da ja diese Motoren nicht in der Lage sind alle 960 Anfangsstellungen zu spielen. Dass man eine solche Engine sogar als „Bestes FRC-Programm“ betitelt (nur weil sie in den 18 Positionen das beste Ergebnis erzielt hat) legt in meinen Augen einen negativen Schatten auf das wahre Chess960! Ich bitte deshalb dass man bei solchen Spielchen künftig nur noch von Experimental-Tests spricht! Um solche, in die irre leitende Spiele nicht mehr zu unterstützen (solange ein Pseudo-Champion ermittelt wird) werde ich keine Chess960-Partien mehr gegen solche Engines spielen. Während ich diese Zeilen schreibe, sind mir lediglich 4 Engines bekannt, die in der Lage sind, wirklich alle 960 Startpositionen des Chess960 – und somit Chess960 zu spielen! More on my Homepage: http://www.beepworld.de/members37/computerschach/ on the Site Chess960 (FRC) under "Einleitung (preface)". Eduard
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Last modified: Thu, 15 Apr 21 08:11:13 -0700
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