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Subject: Negatives the sides of the Chess960 (german text)

Author: Eduard Nemeth

Date: 08:56:57 07/09/03


Negatives the sides of the Chess960:

Die Negativseiten des Chess960:

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, liegt der Sinn des Chess960 (FRC) darin,
dass neue Regeln eine vollständige theoretische Auslotung des Königlichen Spiels
verhindern sollen.

Die normale Stellung des klassischen Schach (nur eine der 960 Startpositionen
des Chess960), beginnt mit folgender Stellung (die Bauern stehen alle auf Reihe
2 und 7, und die schwarze Stellung ist ein Spiegelbild  der weißen Formation),
englische Notation:

RNBQKBNR

Um eine kleine Vorstellung davon zu bekommen, wie viele möglichen Stellungen
nach dieser einzigen Start-Position möglich sind, das veranschaulicht uns eine
folgende mathematische Berechnung:

Nach 11 Halbzügen sind bereits theoretisch 419 Billiarden Stellungen möglich.
Das entspricht in etwa dem Alte des Universums.

Nach 14 Halbzügen sind 2,7x10 hoch 22 Stellungen möglich. Das entspricht etwa
der Anzahl der Sterne im Universum.

Nach 50 Halbzügen sind 1,3x 10 hoch 80 Stellungen möglich. Das entspricht der
Anzahl der Elementarteilchen im Universum!

Bei 80 Halbzügen sind wir bei 1,5x10 hoch 128 angelangt. Was ergibt das?

(Die mathematischen Daten habe ich aus dem empfehlenswertem Buch „Schach am PC“,
Steinwender/Friedel, 1995 erschienen im Verlag Markt &Technik entnommen)

Und nun stellen wir uns gedanklich einfach einmal vor, welche Dimensionen beim
Chess960 möglich sind, selbst für alle Fälle, wo Stellungen im Mittelspiel auch
identisch werden können?

Ich sehe daher keineswegs eine Auslotung der Theorie im normalen Schach momentan
- im Gegenteil! Abgesehen von den üblichen GM-Remis-Partien (die würde es im
Chess960 auch geben), sehe ich ständig neue Partien und Stellungen die ich jede
Woche bewundere. Jede Woche werden etwa tausend Meisterpartien gespielt, und
derzeit füllt eine gute Datenbank etwa 2,5 Millionen sinnvolle Partien.
Zumindest im Menschenschach wird es so noch eine Weile so weitergehen. Ich sehe
daher keinen Handlungsbedarf derzeit, neue Stellungen zuzufügen! Wenn Herr
Fischers Gedächtnis in seinem Alter - und weil er nicht mehr Schach spielt -
nachlässt, so müssen dafür andere nicht büßen, die sich befleißigen ständig neue
Eröffnungs-Ideen zu entwickeln.

Stichwort Gedächtnis: Sollte das Chess960 das normale Schach ersetzen wollen, so
bliebe eine der größten Gaben des Menschen auf der Strecke - sein Gedächtnis!
Doch genau das, ein gutes Gedächtnis zu haben, prägt einen guten Schachspieler.
Er erinnert sich an tausende von Stellungen und Partien und weiß wann was der
beste Zug ist. Es gibt Großmeister die z.B. alle Partien Fischers auswendig
nachspielen können - erstaunlich nicht wahr? Doch selbst Fischer hat (hatte) ein
geniales Gedächtnis. Ich weiß nicht mehr genau wo, aber es gab zu seiner besten
Zeit (ich glaube beim Match UDSSR vs. Rest der Welt) ein Blitzturnier das Bobby
Fischer überzeugend gewann. Er hatte dabei einige hundert Partien gespielt, und
hat sie als DEMO sofort nach dem Blitzturnier alle auswendig nachgespielt, jeden
einzelnen Zug jeder Partie also die zuvor in Sekundenschnelle über das Brett
pfiff! Genial oder?

Ich denke dass das Gedächtnis eine wichtige Rolle, wenn nicht sogar die
Hauptrolle, im Großmeisterschach darstellt. Beim Chess960 wird diese Menschliche
wichtige Eigenschaft jedoch entwerdet, da man sich kaum vorbereiten kann da ja
jede Stellung kurz vor der Partie ausgelost wird. Von Vorbereitung kann auch
keine Rede mehr sein.

Stichwort Vorbereitung: Schach lebt auch von Heimanalysen und der richtigen
Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner! Der psychologische Aspekt darf dabei
nicht unberücksichtigt werden. Ich finde es klasse, dass sich ein Spieler auf
eine Partie vorbereiten kann! Bei jeder WM sieht man das. Gewinnt z.B. ein
Spieler eine Partie so wird er gegen denselben Gegner versuchen, dieselbe
Eröffnung wieder zu wählen, wenn sie in seinen Augen „wasserdicht“ erscheint.
Mit Spannung habe ich so schon verfolgt wenn sich der Gegner derselben Variante
dennoch wieder gestellt hat, um eine Widerlegung zu zeigen! Am meisten konnte
man solchen analytischen Fleiß bei den KK Matches beobachten.

Es gäbe noch weit mehr Aspekte, die untermauern würden dass das normale Schach
derzeit vollkommen genügt, um das Schach interessant und spannend zu gestalten.
Vergessen darf man auch nicht, dass Schachspieler sterben und neue nachrücken.
Und die Neuen müssen denselben Weg erst einmal gehen bis sie die Stärke der
großen Meister erklommen haben. Auch das zu beobachten ist spannend genug, denke
ich. Und selbst im Alter kann ein Durchschnittsspieler noch immer etwas
dazulernen. Die insgesamt wenigen Großmeister mögen im Alter zwar nachlassen,
die Amateure jedoch können ihre Stärke sogar noch ausbauen - im Fernschach kann
man das deutlich beobachten.

Einzig die Computer, die eine Fülle von Daten schon jetzt verarbeiten können,
werden den Menschen irgendwann wegen der POWER der Prozessoren übertreffen. Aber
was hat das mit dem Spiel zwischen Menschen zu tun? Nichts.

Ich plädiere daher dafür, dass man das Chess960 (FRC) als eine bereichernde neue
Disziplin in das Schach integriert, dass dabei jedoch das normale klassische
Schach die höchste Anerkennung aller Schacharten beibehält.

More here on the Site Chess960 (FRC) "preface":

http://www.beepworld.de/members37/computerschach/

Eduard Nemeth



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