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Subject: Forwards-and disadvantage of Tablebases, aspects - analyses, text geman

Author: Eduard Nemeth

Date: 15:17:20 09/04/03


Forwards - and disadvantage of the Tablebases, some aspects.

Vor - und Nachteil der sogenannten Tablebases, einige Aspekte.

Heutzutage können Schachprogramme sogenannte Tablebases nutzen. Der Erfinder ist
E. Nalimov, daher spricht man manchmal auch von Nalimov-Endspieldatenbanken. Es
würde zu weit führen wenn ich hier alles in Details erklären müsste. Wichtig ist
zunächst zu wissen dass die meisten Schachprogramme, bereits in ihren
Berechnungen während eines Spiels, auf diese Datenbanken zugreifen können. In
sogenannten Hashtabellen werden während einer solchen Berechnung viele Mio. von
Stellungen vom Programm temporär zwischengespeichert. Findet das Programm
während einer Berechnung in den Tablebases eine Stellung die mit den
zwischengespeicherten Daten übereinstimmt, so setzt das Programm seine weiteren
Berechnungen dementsprechend fort. Wenn es einen Gewinn in den Tablebases
entdeckt hat, so steigt die eigene Bewertung an, und es kommt nicht selten vor
dass dann ein Matt in über 50 Zügen angezeigt wird. Derzeit werden meist noch
5-Steiner Tablebases genutzt, doch der Fortschritt geht weiter, so dass aktuelle
Programme schon auf einige Endspiele mit auch 6 Steinen Zugriff haben. Und wo
liegt nun der Nachteil dieser Tablebases? Ein Nachteil ist, dass das Programm,
während es auf die Tablebases zugreift, extrem gebremst wird. Wird das Programm
nicht fündig, dann hat es einen Anteil der Rechenzeit einfach verschenkt. Einen
weiteren Nachteil möchte ich plastisch demonstrieren.



Folgende Partie wurde kürzlich gespielt, hier zunächst die Notation mit einem
Kommentar, Sie können die Partie in ihr Programm einfügen indem sie die Partie
komplett „markieren“ und im Programm einfach über „Einfügen“, einfügen (z. B.
bei Fritz 8):



[Event "19th Open Faaker-See AUT"]

[Site "?"]

[Date "2003.??.??"]

[Round "7"]

[White "Bergen, P."]

[Black "Laengl, J."]

[Result "1-0"]

[ECO "D49"]

[WhiteElo "2215"]

[BlackElo "2230"]

[Annotator "Nemeth,Ed"]

[PlyCount "146"]

[EventDate "2003.??.??"]



1. d4 d5 2. Nf3 Nf6 3. c4 e6 4. Nc3 c6 5. e3 Nbd7 6. Bd3 dxc4 7. Bxc4 b5 8. Bd3

a6 9. e4 c5 10. e5 cxd4 11. Nxb5 Nxe5 12. Nxe5 axb5 13. O-O Bd7 14. Qe2 Ra5 15.

Bd2 b4 16. a3 Qa8 17. Nxd7 Nxd7 18. Bb5 Bd6 19. h3 Qa7 20. a4 O-O 21. Qe1 Ra8

22. Rc1 Ne5 23. Qe2 h6 24. Kh1 Qb8 25. Qe4 Qa7 26. f4 Ng6 27. f5 exf5 28. Rxf5

Ne7 29. Rf3 Ng6 30. Rcf1 Rf8 31. Rd3 Bc5 32. Rdf3 Qe7 33. Qxe7 Bxe7 34. Rb3 Rd8

35. Bxb4 Bxb4 36. Rxb4 d3 37. Rd1 Ne5 38. Kg1 Ra7 39. Kf2 f6 40. Rb3 Rc7 41.

Rc3 Rxc3 42. bxc3 Kf7 43. Ke3 Ke7 44. Rd2 Ra8 45. Kd4 Kd6 46. c4 Kc7 47. Kc3

Kb6 48. Kb4 Nc6+ 49. Bxc6 Kxc6 50. Rxd3 Rb8+ 51. Kc3 Ra8 52. Rg3 Ra7 53. a5 Kc5

54. Rf3 Kc6 (54... Rxa5 55. Rf5+ Kb6 56. Rxa5 Kxa5 57. Kd4 {

und weiss gewinnt leicht.}) (54... g6 $5 55. Rxf6 Rxa5 56. Rxg6 Ra3+ 57. Kd2

Kxc4 58. Rxh6 Ra2+ 59. Ke3 Rxg2 {und nun zeigen mir die Tablebases ein Matt in

52 Zuegen, wobei nur hier der Zug Rh5 der einzige Gewinnzug ist - und den muss

ein Mensch erst einmal finden!}) 55. Rf5 Re7 56. Rf2 Kc5 57. Rf5+ Kc6 58. Rd5

Re1 59. Rd2 Kc5 60. Ra2 Re3+ 61. Kd2 Rg3 62. Ke1 Re3+ 63. Kf2 Re8 64. Ra4 Ra8

65. a6 Ra7 66. Ke3 Kb6 67. Ke4 Re7+ 68. Kd3 Ka7 69. Ra2 Rd7+ 70. Ke4 Rd8 71. c5

Rd1 72. Ra3 Rd2 73. g3 Rd7 1-0



Erste Analyse. Wir befinden uns im Zug 54, und schwarz ist am Zug. Das Programm
hat entdeckt, dass das Schlagen des a-Bauern ein verlorenes Bauernendspiel
ergibt, und schlägt als Alternative den wirklich interessanten Zug 54...g6!?
vor:



[D]8/r5p1/5p1p/P1k5/2P5/2K2R1P/6P1/8 b - - 0 1



Analysis by Fritz 7:



54...Txa5--

  +-  (1.53)   Tiefe: 17/27   00:00:41  11925kN, tb=316

54...Txa5 55.Tf5+ Kb6 56.Txa5 Kxa5 57.Kd4 Kb6 58.Ke4 g6 59.Kd5 f5 60.Ke6 f4
61.Kf7 g5

  +-  (2.66)   Tiefe: 17/31   00:00:52  15816kN, tb=715

54...g6!

  +-  (2.62)   Tiefe: 17/31   00:00:59  17898kN, tb=723



Ich folge nun einer der Hauptvarianten (s.o. auch in der PGN - Notation):

54... g6 55. Txf6 Txa5 56. Txg6 Ta3+ 57. Kd2 Kxc4 58. Txh6 Ta2+ 59. Ke3!



Weiß steht auf Gewinn, aber... Lassen wir in dieser Stellung zunächst das
Programm wieder rechnen:



[D]8/8/7R/8/2k5/4K2P/r5P1/8 b - - 0 1



Analysis by Fritz 7:



59...Kd5 60.Kf3 Ke5 61.h4 Ta3+ 62.Kg4 Ta2 63.g3 Tg2 64.h5 Tg1 65.Tc6 Kd5

  +-  (2.03)   Tiefe: 14/24   00:00:14  3443kN, tb=2289

59...Kd5 60.Kf3 Ke5 61.h4 Ta3+ 62.Kg4 Ta2 63.g3 Ta3 64.Tc6 Ta7 65.h5 Tg7+ 66.Kh4
Kf5

  +-  (2.09)   Tiefe: 15/27   00:00:26  6194kN, tb=4896



Wie man sieht, würde Fritz 7 hier den gegnerischen Bauer auf g2 nicht nehmen!
Warum? Schlägt man den Bauer, so zeigt das Programm eine 5-Steiner TBs-Stellung
an, die für weiß mit einem Matt in 52 Zügen gewonnen ist, siehe weiter unten. Da
Schachprogramme unter sich solche Matts in wenige Sekunden ausspielen, würde
Fritz 7 lieber 59...Kd5 spielen, was zwar auch nicht besser ist, aber immerhin
besser, als sich vom Gegner falls er ein Computer ist (wichtig), schnell
mattsetzen zu lassen. Nun stellt sich jedoch eine andere Frage: Was ist, wenn
der Gegner ein Mensch wäre? Die meisten guten Spieler würden jedes
Schachprogramm nach  59...Kd5 mit den zwei Bauern mehr, leicht besiegen. Würde
der Computer jedoch den Bauer auf g2 schlagen so ergäbe sich die folgende
Stellung:



[D]8/8/7R/8/2k5/4K2P/6r1/8 w - - 0 1



Analysis by Fritz 7.008:



1. +- (#52): 1.Th5

2. = (0.00): 1.Ke4

3. = (0.00): 1.Kf3

4. = (0.00): 1.Kf4

5. = (0.00): 1.h4

6. = (0.00): 1.Tf6

7. = (0.00): 1.Te6

8. = (0.00): 1.Td6

9. = (0.00): 1.Tc6+

10. = (0.00): 1.Tb6

11. = (0.00): 1.Ta6

12. = (0.00): 1.Th4+

13. = (0.00): 1.Th7

14. = (0.00): 1.Th8



Das Programm zeigt hier ein Matt in 52 Zügen an. Der Mensch als Gegner jedoch
hat keine Sicht zur Analyse, und müsste hier ganz genau spielen, nämlich Rh5.
Allein dieser Zug gewinnt! Ich bezweifle jedoch, dass die meisten Menschen, die
zuvor mit 2 Bauern mehr, leicht gewonnen hätten, diesen Gewinnzug finden würden.

Wie man sieht, können die sehr nützlichen Tablebases im praktischen Spiel auch
hinderlich sein, denn nicht alles was theoretisch eindeutig ist, verhält sich in
der Praxis genauso, im Spiel gegen Menschen ist das in solchen Stellungen eher
selten der Fall.

My Chess World:

http://www.beepworld.de/members37/computerschach/

Eduard Nemeth



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