Author: José de Jesús García Ruvalcaba
Date: 09:53:58 11/09/01
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On November 08, 2001 at 16:54:31, Harald Faber wrote: >In der ersten Partie ist Shredder mit Weiss in einer positionell recht >schwierigen Stellung aus der Eröffnung entlassen worden. Die Figuren stehen >schlecht postiert und sowohl der Bauer e4 als auch der Bauer a4 sind Schwächen, >die die weissen Kräfte binden. e4 wird zwar gegen den schwarzen c4 getauscht, >doch a4 fällt ersatzlos. Tiger hat dann in einer tatkisch leeren Stellung auch >keine Probleme, den Mehrbauern zum Sieg zu führen. >Shredder schafft es in der zweiten Partie nicht, den rückständigen Bauern e3 zu >erobern. Stattdessen schafft sich Shredder Schwächen der eigenen Königsstellung: >[D]4r1k1/pp2rpbp/4nnp1/q2p4/3P2PP/1P2PQ2/PB1NR3/R5KB b - - 0 21 >21...h5?! Öffnet IMO unötig Linien gegen den eigenen König. Nach 22.gxh5 Sxh5 >wird dieser von h5 vertrieben, Weiss zieht selbst h4-h5, womit die g-Linie >entscheidend frei gelegt wird. Um eine Katastrophe auf g7 zu verhindern, muss >Shredder die Qualität geben und verliert im Endspiel. >Die dritte Runde geht erneut an Tiger. Shredder muss nach der Eröffnung mit >Läufer plus offener König gegen 3 starke Zentrumsbauern kämpfen. >[D]1r3rk1/pp4pp/n3pp2/3p4/P1N5/8/1PK1B1PP/R6R w - - 0 19 >Nach nur weiteren 11 Zügen sieht die Lage schon sehr bedrohlich aus: >[D]1r1r2k1/1pN3pp/p7/4nP2/P7/3pp3/1P4BP/3RK2R w K - 0 30 >Die beiden verbundenen Freibauern lähmen das weisse Spiel. Schwarz kann in der >Folge in aller Ruhe die Stellung verstärken. Shredder opfert sogar, um sich aus >der Umklammerung zu befreien, doch die beiden Freibauern erweisen sich eindeutig >als zu stark, wie man hier sieht: >[D]R7/8/6p1/5k1p/6nP/1P1p4/3Kp3/8 w - - 0 63 >(0-1/73) >Auch die vierte Partie hatte den Tiger als Sieger. Hier schaffte es der Tiger, >dass Schwarz mit g7-g6 die schwarzen Felder freilegen musste und mit dem Läufer >die Löcher nicht mehr stopfen konnte. Schlimmer noch, der Läufer wird gegen >einen weissen Springer getauscht, wodurch Schwarz erhebliche Probleme bekam. Die >Folge war zunächst ein Bauernverlust bei anhaltender Klammerstellung. Auch hier >konnte Tiger nach undf nach die Stellung entscheidend verstärken, Shredder war >an Händen und Füssen gefesselt. >[D]6q1/5pnk/p3r1p1/2R4p/3Qp1P1/2B1P2P/PP3PK1/8 w - - 0 39 >Und 1-0/56 >Damit gab es erneut 4 Siege in Folge, was offenbar doch kein so seltenes >Ergebnis ist. >In der fünften Runde gab es endlich den ersten Shredder-Sieg. Fast aus dem Buch >heraus wurden die Damen getauscht und Tiger hatte keine Möglichkeit mehr zu >aktivem Gegenspiel. So konnte Shredder in aller Ruhe die Stellung verstärken, >Schwächen im schwarzen Lager schaffen und einen Bauern erobern. Nach einem >geschickten Abtausch konnte auch der Tiger die schwarze Stellung nicht mehr >retten. >[D]5k2/5r2/4p2p/R2p4/2pPPP2/2Pn1K1P/3N4/8 w - - 0 45 >45.f5! (1-0/64) >Zur sechsten Partie gibt es eigentlich nichts zu berichten, eine farblose >Partie, in der nie die berühmte "Remisbreite" überschritten wurde. >Einen erneuten Sieg landete der Tiger in der siebten Partie. Hier opferte >Shredder einmal mehr eine Figur für 3 Bauern, dazu behält Shredder das >Läuferpaar. Doch die weissen Figuren wollen nicht so recht zusammen spielen und >die Initiaive geht mehr und mehr an den Tiger über. So fallen nach und nach die >weissen Bauern und schliesslich werden die Figuren so getauscht, dass Schwarz >nicht nur eine Figur mehr hat, sondern einen ganzen Turm. Für einen einzigen >Bauern ist das natürlich mehr als ausreichend, und Tiger hat auch keine >Probleme, diesen Vorteil umzusetzen. >[D]rb2k2r/1b1n2pp/pq2pn2/8/PppN4/2N1P3/1PB1QPPP/R1BR2K1 w kq - 0 17 >17.Dxc4!? Mut, der mal wieder nicht belohnt wird. Ich habe schon einige solcher >Figurenopfer bei Shredder gesehen, doch oftmals ging der Schuss nach hinten los. >Wenn es um ungleiche Materialverhältnisse wie auch positionelle Figurenopfer >(für 1-3 Bauern) geht, kann sich Shredder von Hiarcs ordentlich etwas abschauen. >In der achten Runde kam die berühmte Sevilla-Variante (Grünfeld-Indisch) der >Karpow-Kasparow-WM-Kämpfe aufs Brett. >[D]r2q2k1/pp2p1bp/6p1/n1p5/3PP1P1/2P1B3/P3N1PP/R2Q1K2 b - - 0 14 >Sevilla! >Shredder mit Schwarz konnte den Bauern zurück gewinnen, um wenig später erneut >mit einem Minusbauern dazustehen. In dem entstandenen Endspiel mit >gleichfarbigen Läufern und 3 gegen 2 Bauern schafft es Tiger nicht, den Sieg >einzufahren. Rein gefühlsmässig würde ich vermuten, dass er das hätte gewinnen >können. Ich werde mir beizeiten diese Partie mal etwas genauer zur Brust nehmen. >Auf jeden Fall kämpft der Tiger rund 100 Züge lang vergeblich um den vollen >Punkt (0.5/157). >Runde 9 brachte dem Tiger zunächst einen Mehrbauern ein, der dazu noch das >weisse Spiel hemmte. Tiger lässt sich diesen jedoch wieder abnehmen (IMO >unnötig) so dass sich Shredder befreien kann. Als Shredder erneut einen Bauern >verliert, ist das Material bereits so weit reduziert, dass sich an Figuren nur >noch die Damen und ungleichfarbige Läufer auf dem Brett befinden. Um den Bauern >nicht wieder zurück geben zu müssen, ist der Tiger gezwungen, die Damen zu >tauschen, wodurch das Remis im Grunde nur eine logische Konsequenz des Endspiels >mit den ungleichfarbigen Läufern darstellt (0.5/83). >[D]8/p4k1p/1p4p1/4QpP1/3Pb3/q1P3KP/3B4/8 w - - 0 47 >47.Dh8! >Die Abschlussrunde konnte Shredder nicht mehr retten, er lag bereits mit 2.5-6.5 >zurück. Er schaffte jedoch auch keine Ergebniskosmetik. Er ist dem Tiger einfach >unterlegen. In dieser letzten Partie erreicht Shredder zwar schnell die bessere >Stellung, weil er mit Schwarz die weisse Rochade verhindern kann. >[D]1rb1kb1r/p1ppqppp/2p5/4P3/5P2/8/PPPB2PP/1R1QKB1R b Kk f3 0 10 >10...Dc5! >Shredder versäumt es jedoch, zügig zu rochieren und Linienöffnungen zu forcieren >(z.B. durch d7-d6, Te8 usw.). Dadurch bekommt Weiss selbst die Gelegenheit, >Schwarz zunächst an der Rochade zu hindern durch drohenden Einschlag auf h7. >Nach Abwehr dieser Drohung durch g7-g6 und anschliessender Rochade bieten sich >dem weissen plötzlich Angriffsmarken, und der weisse Turm auf h1 steht dort >goldrichtig, ohne gezogen zu haben. Doch nach weiterem Figurentausch und >reduziertem Material verflacht zunächst das Spiel. Weiss kann jedoch zum Preis >eines Bauern den eigenen freien e-Bauern in Bewegung setzen und Drohungen damit >verbinden. Sie tragen auch Früchte, als Shredder die Qualität gibt/geben muss. >Dafür muss der Tiger jedoch noch einen weiteren Bauern geben. Keiner der beiden >kann davon profitieren und es wird bald Remis durch Tablebases. >Die "Bonuspartie" (wg. Zeitüberschuss) endete nach einer kuriosen Stellung, in >der Shredder die eigene Dame neben dam König auf h1 sehenswert einpferchte, >tatsächlich remis. Tiger hate zwarmehr vom Spiel, konnte diesmal Shredders >Figurenopfer für 2 Bauern nur ins Remis kontern. >[D]r2q1k2/2b2pp1/p1n1b1rp/2p1p3/Pp6/2PPN2P/1PBB1PPQ/3RR1K1 w - - 0 26 >26.Dh1 trara! >Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Shredder in diesem Match zwar >Kämpferqualitäten zeigte und sich hin und wieder als Steh-Auf-Männchen >entpuppte, aber das war weder sehenswert noch erfolgreich. "Enttäuschend" ist >dafür eher der passende Ausdruck. >Im Abschlussbericht zum Shredder 5.32-Test werde ich meine Einschätzung bzgl. >des Shredder-Eröffnungsbuches und dessen Auswirkung auf das Abschneiden von >Shredder allgemein in Partien darlegen. >Abschliessend würde ich gerne eine Rückmeldung haben, ob die Partien >nachgespielt oder gar analysiert, diese Berichte einfach nur gelesen oder >zumindest die EPD-Stellungen angeschaut werden. Ich weiss aus eigener Erfahrung, >dass prinzipiell selten Partien nachgespielt werden, wenn die Notation lediglich >in schriftlicher Form vorliegt. Da kann noch so viel textuell kommentiert >sein...aber wie sieht es hier aus, wo doch die Partien durch wenige Mausklicks >in jedes beliebige Schachprogramm eingeladen und zügig nachgespielt werden >können? >Rückmeldungen, für die ich mich jetzt schon im Voraus bedanken möchte, können >hier im Forum oder, wenn es nicht öffentlich sein soll, auch per e-mail an >HaraldF@bigfoot.com geschrieben werden.
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