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Subject: Some more information on Fritz 7a - Junior 6a (German text)

Author: Harald Faber

Date: 11:35:33 11/28/01


Hier der Bericht zum Match:
Nachdem Fritz 7 die ersten 3 Partien gegen Junior 6a gewann, hatte ich die
Befürchtung, das Match würde ein einseitiges Gemetzel werden. Doch Junior sollte
mich eines besseren belehren. Doch der Reihe nach.
Von seiner besten Seite zeigte sich Fritz in der ersten Partie mit Weiß in einer
Sizilianischen Partie. Bei heterogenen Rochaden ist Fritz am Königsflügel immer
brandgefährlich, so auch diesmal:
2r2rk1/4bppp/p1bppn2/8/1q1BPP2/2NB2Q1/1PPR2PP/2K1R3 w - - 0 18
18.Sd5! exd5 19.exd5 Sh5 20.Df3 g6 21.Txe7 Da5 22.b4! Dxb4 23.Lxg6 hxg6 24.dxc6
Tb8 25.Td3 d5 26.De3 und hier ahnte Junior noch nicht viel Böses, als 26...Sxf4
mit nur -0.85 bewertet wurde. Allerdings bei einer Tiefe von lediglich 13.
Dennoch sieht ein Mensch die unmittelbaren Drohungen nach 27.Dxf4 offenbar
klarer. De5/f6 mit Mattdrohung auf g7/h8 sind nicht so schwer zu sehen. Ich
werde diesen Zug noch mal nachprüfen, denn nach über 2min nur Tiefe 13 ist für
Junior ungewöhnlich wenig, normal wäre 15-18. Auf jeden Fall hatte Junior nach
27.Dxf4 die Bewertung seines besten Zuges, 27...Db1+, bereits mit -5.56/14/96sec
korrigiert. Fritz hätte die Partie vermutlich dennoch gewonnen, doch der Weg
wäre z.B. nach 26...Dd6 deutlich länger gewesen.
Eine sträfliche Vernachlässigung der Entwicklung des schwarzfeldrigen Läufers
nutzte Fritz in der zweiten Partie geschickt aus und holte sich den Minusbauern
bei besserer Stellung zurück. Junior konnte sich zwar ins Damenendspiel retten,
in dem er einen entfernten Freibauern schaffen konnte, doch Fritz' dominierender
Springer auf f4 in Kombination mit einem sehr unangenehmen Bauern auf h3 machten
Juniors König schwer zu schaffen.
8/8/5p1k/1B4p1/P4n2/q4PKp/3Q3P/8 b - - 0 48
Junior zog soeben 48.Kg3 mit 0.00, was er seit 5 Zügen anzeigte, nach 48...Dc5
kam aber schon 49.Dd1 -0.45 und 49...De3 50.Lc6 mit -8.07. 49.Dd1 scheint ein
weiterer Aussetzer zu sein, den z.B. Fritz5.32 nach wenigen Sekunden als
Verlustzug erkennt und verwirft zu Gunsten von 49.De1, was die Partie allem
Anschein nach Remis gehalten hätte.
Auch in der dritten Partie gab es ein Kuriosum:
5k2/2pq2p1/2p2p2/p1P5/P2P2QP/5P2/7K/8 b - - 0 56
Und Junior spielte Freude strahlend 56...Dxg4?? mit +1.19/17/23sec. Das wertet
die weiße Bauernstellung auf und leitet in ein reines Bauernendspiel über, in
dem Weiß auf der h-Linie einen entscheidenden Freibauern bilden kann und auch
tat. Aber auch hier geschah 57.fxg4 und für 57...g6 ging es mit der Bewertung
bei Junior ab auf -0.76/30/40sec. Aber erst nach 58.Kg3 Kg7 59.Kf3 Kf7 60.Ke4
Ke6 61.h5 Kf7 (nur -1.38/28!/25sec) 62.h6 sah er das Dilemma 62...Kg8 und
plötzlich -6.48/29/69sec.
Heterogene Rochaden gab es erneut in der vierten Partie, diesmal Junior mit
Weiß. Er konnte zwar nicht so eindrucksvoll gewinnen wie ehedem Fritz, aber es
reicht zumindest schon mal für die Kehrtwende, remis. Sonst gibt es nichts
weiter von dieser Partie zu berichten, ausser dass Junior das Enspiel mit
Mehrbauer nicht gewinnen konnte.
In der fünften Partie bleibt Fritz' könig in einer Schottischen Partie zunächst
in der Mitte stecken. Junior kann das aber nicht ausnutzen, so dass Fritz noch
zu einer künstlichen kurzen Rochade kommt. Da Junior lang rochiert hatte,
stellte sich die übliche Frage, wer zuerst Drohungen gegen den gegnerischen
König aufstellen kann. Dabei zeigte sich, dass Juniors Figuren und Bauern besser
platziert waren, um einen Angriff zu starten. Zumal Fritz' Königsstellung mit
dem Bauernkonstrukt f5-g3-h2 für Bauernhebel a la h7-h5-h4 schon besser geeignet
war. Als Fritz es jedoch schafft, die Bauernstellung am Königsflügel
abzuriegeln, wendet sich das Blatt und es tun sich weiße Chancen auf. Es
entwickelt sich ein Kampf schwarze Freibauern auf d und e gegen weiße Freibauern
auf f und g, beide haben noch alle Schwerfiguren auf dem Brett. Jedes Ergebnis
ist möglich. Erst die schlechte Stellung des weißen Königs mit dem schwarzen
Sargnagel auf h4 besiegeln die Partie. Wer würde sich wagen, den Ausgang der
Partie in folgender Stellung vorher zu sagen:
k2rr3/pqp5/2p5/1PPp1P2/P2Qp1Pp/7P/7K/1R2R3 b - - 0 42
42...Tf8 43.Kh1 Tb8 44.Tbd1 Tfd8 Und jetzt folgte wohl die entscheidende
Abwicklung mit 45.Txe4 (sieht schön aus, keine Frage) dxe4 46.Dxd8 e3 47.Dd3
cxb5+ 48.Kg1 bxa4 49.Dxe3 Dc6 und jetzt kann der schwarze Turm über die b-Linie
ins Spiel eingreifen.
8/pkp5/2q5/2P2P2/6Pp/pr5P/3R1Q1K/8 b - - 0 53
53...Tb1! 54.Dg2 Dxg2+ 55.Txg2 Ta1 (0-1/90)
In der sechsten Partie gab es den zweiten Junior-Sieg. Sauber heraus gespielt,
auch wenn es zunächst nach endlos langem Lavieren aussah. Fritz wurde sauber
überspielt, keine taktischen Tricks und kein Gegenspiel. Beachtlich!
Eine positionell sehr fragwürdige Entscheidung traf Junior indes mit Abriegelung
des Damenflügels in der siebten Runde.
r1q2rk1/1b1nbpp1/2p1p2p/ppPpP3/1P1P4/P1NB1N2/2Q2PPP/RR4K1 b - - 0 18
18...a4? nimmt jede Chance auf Gegenspiel. Am Königsflügel spielt nur Weiß.
Fritz zeigte, dass er das erkannt hatte und gruppierte zügig um. Nur 8 Züge
später stand Schwarz pleite.
2b1q1rk/r2nbpp1/2p1p2p/1pPpP2Q/pP1P1N2/P2B1N2/5PPP/R3R1K1 w - - 0 26
26.g4! Sf8 27.g5 g6 28.Dxh6+ und der Rest ist Schweigen... (1-0/46)
Eindrucksvoll, wie stark der Lb7 ins Spiel eingriff... :-)
Neben dem Sämisch-System zählt der Fianchetto-Aufbau im Königsinder zu den
gefährlichsten Aufbauten für Schwarz, wie man in der achten Partie sehen konnte.
Fritz mit Schwarz erreichte zwar die optisch schönere Stellung, das weiße
Potential war jedoch nicht zu unterschätzen. Als Fritz die Stellung öffnete,
traten die weißen Möglichkeiten unangenehm zu Tage.
b1r5/5pbk/1r1ppnpp/3P4/qpp1PB1P/5NPB/PP3P2/1RQ1R1K1 b - - 0 27
27...Sxe4?! 28.dxe6 Dieser Bauer wird noch sehr unangenehm Sc5 29.exf7 Tf8
30.Lg2 Dxa2 31.Ta1 Dxb2 32.Dxb2 Lxb2 33.Te8! Lxf3 34.Txf8 Lxg2 35.Th8+ Lxh8
36.f8-D (1-0/54)
Damit war Junior nur noch einen Punkt hinten. Aus dem Buch heraus ein
Trippelbauer auf der f-Linie, die g-Linie halb offen und heterogene Rochaden,
nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, um diese Stellung mit Schwarz zu
gewinnen. Dass Junior einen Mehrbauern hatte, war eigentlich uninteressant, denn
es war einer der drei f-Bauern...
4r3/p3kp2/3q1p1Q/1p6/5p2/P6R/1P3P1P/1K6 w - - 0 30
Auch hier stelle ich die Frage, wer der Meinung ist, dass Schwarz diese Stellung
gewinnen kann?
6r1/5p1Q/p2k1p2/1p1q4/5p2/PR5P/KP3P2/8 b - - 0 40
Hier sieht es schon besser aus...Ich habe den Eindruck, dass Weiß zwar eine
gewisse Grundreihenschwäche hat, eine Entfesselung des Tb3 aber möglich gewesen
sein muss. Fritz dagegen manövrierte über 40 Züge lang, ohne den Tb3 ziehen zu
können, und letztlich verlor er ihn bzw. musste die Dame geben.
8/1Q1rk3/p3q3/1p3p2/5p2/PR6/KP3P2/8 w - - 0 83
83.Dc8 a5! 84.Dc5+ Kf7 85.Dxb5 a4 86.Dxa4 Tb7 Weiß ist in Zugzwang 87.f3 Dd5
88.Db4 (0-1/95)
Ein interessantes Bauernopfer spielte Fritz in der letzten Partie mit Schwarz.
Es zahlte sich bald aus, wie man sehen kann:
1rr3k1/1b3pp1/3n1q1p/8/p3p3/Pn2P2P/1P2QPPN/1BRRB1K1 w - - 0 31
Alle weissen Figuren sind weit zurück gedrängt. Fritz kommt aber nicht so recht
voran.
Hier hat sich Junior schon etwas befreien können:
5Q2/5ppk/4q2p/3b4/2n1p3/PpB1P2P/1P3PPN/6K1 b - - 0 39
Schwarz darf den a-Bauern nicht vergessen, und hier näherten sich die weißen
Figuren dem schwarzen König:
8/4Q1pk/1nq2p1p/3b4/P3pN2/1pB1P2P/1P3PP1/6K1 b - - 0 47
47...Sc8 48.Df8 Sd6 Und jetzt gingen Fritz die Züge aus nach 49.g4. Der Sd6 und
Ld5 müssen gedeckt werden, f6 und g7 sind potentielle Einschlagstellen. 49...Lf7
50.Lb4 und Schwarz verliert Holz. Fritz stocherte zwar noch ein paar mal mit
Schach herum, aber der e-Bauer war im Gegensatz zum weißen a-Bauern harmlos,
Figur ist Figur...(1-0/79)
Als Fazit lässt sich wohl festhalten, dass Fritz die erste Hälfte dominierte,
während Junior in der zweiten Matchhälfte klar die Oberhand behielt. Bis auf den
Ausrutscher in Runde 7 zeigte Junior das bessere Positionsverständnis. Wobei
nicht vergessen werden darf, dass sich Fritz mit Übereifer teilweise selbst ins
Verderben getrieben hat (Rd. 8, 9 + 10). Die Partien 1-3 werde ich noch mal
überprüfen, zu krass sind die Bewertungssprünge. Der einzige Unterschied
zwischen den anderen 7 Partien bestand darin, dass in den Partien 1-3 Fritz 7
als Master lief, in den anderen Partien war Junior 6a (unter der Fritz 7 GUI)
als Master in dem autoplayer-Match gestartet und das Match lief dann durch bis
zur 10. Partie.
Momentan läuft Fritz 7 gegen ChessTiger 14, es folgen noch GambitTiger 2 und
GambitTiger 2 aggressiv.
Partien, Zwischenstände usw. wie immer unter www.harald-faber.de



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