Author: Harald Faber
Date: 22:41:28 12/10/01
Welchen Eindruck hinterliess Fritz 7 bei diesem Spießrutenlauf gegen die stärkste Konkurrenz? Hiarcs 7.32 wurde glatt überspielt. Die Bilanz von +5 =4 -1 spiegelt den Verlauf wieder, es war ein Spiel auf ein Tor. In dem Match gegen Junior 7 glänzten beide Parteien durch hervorragende Angriffsführungen. Durch eine dubiose Eröffnungsvariante in der 5. Runde kassierte Fritz eine Niederlage mehr als Junior. Auch mit Junior 6a hatte Fritz seine Probleme. Fritz konnte trotz dreier Siege in Folge zu Beginn das Match nicht gewinnen, Junior 6a schlug in den letzten sechs Partien mit 5:1 zurück. Positionelle Graupenzüge hatten Junior zunächst Nachteile beschert, erst die vierte Partie markierte die Wende. Fritz' Sieg in der siebten Partie passt zwar zu den anderen, doch die fünf Siege Juniors zeigten einen wie ausgewechselt spielenden Junior. Nachdem bereits beim Shredder 5.32-Test Fritz 7 mit 7.5-2.5 die Oberhand behielt, konnte er sich auch diesmal durchsetzen. 6.0-4.0 das Ergebnis, insgesamt also 13.5-6.5. Dabei hatte Shredder nach fünf Partien noch mit 3:2 geführt, doch vier saubere Siege in Folge kippten das Match. ChessTiger 14 erwies sich wie erwartet als harte Nuß. Es gab nur zwei Partien, die in weniger als 60 Zügen beendet wurden. In diesem Match gab es zwei sehr beeindruckende Partien, Runde zwei und Runde vier, unbedingt nachspielen! Zwischen Fritz 7 und GambitTiger 2 ging es ausgeglichen vor, wie es ausgeglichener kaum sein kann. Von zehn Partien endeten satte acht remis, die anderen beiden gewannen einmal Fritz und einmal GambitTiger. Etwas mehr vom Spiel hatte GambitTiger, Vorteile liessen sich indes nicht ausmachen. Für mich überraschend endete das Match Fritz 7 gegen GambitTiger 2 aggressiv mit 6.0-4.0. Überraschend deshalb, weil sich in meinem großen Tiger-Vergleichstest diese Tiger-Version eigentlich als etwas stärker erwies als die anderen Tiger-Versionen. Wer weiß, wie das Ergebnis nach 50 oder 100 Partien lautet, aber als Fritz nach sechs Partien mit 5.0-1.0 vorne lag, wunrderte ich mich schon etwas. Doch Tiger konnte in den letzten vier Partien durch ein 3.0-1.0 noch gute Ergebniskorrektur betreiben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fritz meiner Meinung nach weniger wild, dafür fundierter spielt. Mit weniger wild ist an dieser Stelle gemeint, dass Fritz für offenes Figurenspiel nicht gleich jede Schwächung der eigenen Bauernstruktur in Kauf nimmt. Dafür ist der Vorwärtsdrang ausgeprägter geworden. Fritz 7 ist zwar noch kein GambitTiger und auch noch kein Junior, doch dann kommt schon Fritz an nächster Stelle bezüglich Angriffsdrang und Ausgewogenheit der Angriffe. Ich bilde mir auch ein, eine bessere Freibauernbehandlung erkennen zu können. Im Endspielbereich gibt es definitiv Fortschritte, wie z.B. anhand der vierten Partie gegen ChessTiger 14 (wie bereits oben erwähnt) erkennbar ist. Ich bezweifle, dass ältere Fritz-Versionen dieses Endspiel, dann auch noch gegen den Endspiel-König Tiger, gewonnen hätten. Knapp 53% erspielte sich Fritz 7, 37 Punkte aus 70 Partien. 20 Partien davon waren mit der "alten" CD-Version gespielt, gegen Hiarcs 7.32 und Junior 7, die restlichen 50 mit der neueren Version Fritz 7a. Das ist kein berauschendes Resultat, bei dieser Konkurrenz jedoch keine Enttäuschung. Gegen die Tiger 50%, nur gegen beide Junior gab es jeweils eine knappe Niederlage. Angesichts der immer noch recht wenigen Partien sind Aussagen über die Spielstärke bei weitem nicht fundiert genug, um halbwegs gesicherte Erkenntnisse vorweisen zu können. Zweierlei ist jedoch klar: 1. Fritz 7(a) ist kein Überflieger. Trotz erst 70 Partien ist nicht anzunehmen, dass nach 500 oder 1000 Partien gut über 60% von Fritz 7(a) erspielt werden. 2. Fritz 7(a) verfügt über einen wesentlich interessanteren Spielstil als die Vorgängerversionen und fängt langsam an, Schach zu spielen. Ich war früher nie ein Fritz-Freund, der war mir immer zu sehr Klötzchenschieber und Pfuscher. Doch seit DeepFritz ist Frans Morsch offenbar auf dem richtigen Wege. DeepFritz hat eine recht gut fundierte Stellungsbewertung mit entsprechend sinnvollen Zügen (nicht immer, aber oft genug, um das sagen zu können), und Fritz 7(a) wurde mit mehr Vorwärtsdrang und verbessertem Endspiel ausgestattet. Oder kurz und prägnant: Fritz fängt an mir zu gefallen.
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Last modified: Thu, 15 Apr 21 08:11:13 -0700
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